Aktuelle Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Sepsis-Stiftung zeigt mangelndes Wissen über Sepsis

Aktuelle Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Sepsis-Stiftung zeigt mangelndes Wissen über Sepsis

Die meisten Menschen wissen nicht wie sie sich gegen Sepsis schützen können. (Bildquelle: CC0 Pixabay)

Die Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. In vielen Fällen gilt sie als vermeidbar. Lediglich 62% der Deutschen haben schon einmal das Wort Sepsis gehört. Immerhin eine Entwicklung in die richtige Richtung, denn noch vor 4 Jahren kannte nur knapp die Hälfte der Befragten den Fachbegriff für die im Volksmund als Blutvergiftung unzureichend verstandene Erkrankung. Dabei sind jährlich rund 280.000 Menschen hierzulande betroffen. Früh- und Neugeborene sowie Menschen im Alter von über 60 Jahren erkranken und sterben besonders häufig an einer Sepsis.
Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Ausgelöst durch die körpereigenen Abwehrreaktionen kommt es zu Organ- und Gewebeschäden. Sepsis muss als Notfall behandelt werden, denn jede Verzögerung der Therapie erhöht das Risiko zu versterben im Stundentakt. Deshalb muss das Wissen über Früherkennung und Prävention der Sepsis in der Bevölkerung gestärkt werden.

Im Auftrag der Sepsis-Stiftung wurde jetzt eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung zur Sepsis befragt. Zwei von drei Teilnehmern der Umfrage bewerteten die Sepsis treffend als medizinischen Notfall. Die Mehrzahl kannte jedoch nicht alle Früh- bzw. Warnsymptome. Zu den Symptomen einer Sepsis zählen Fieber, extremes Krankheitsgefühl, akute Verwirrtheit, Atemnot, Blutdruckabfall und schneller Puls. Hier gilt: Früherkennung rettet Leben! Wird eine Sepsis früh erkannt und sofort als Notfall therapiert, lässt sich die Sterblichkeit auf weniger als 20% senken. In Deutschland liegt die Sterblichkeit derzeit deutlich über 40%.

Dass eine „Blutvergiftung“ nicht nur durch äußere Wunden, sondern durch nahezu alle akuten Infektionserkrankungen und am häufigsten durch eine Lungenentzündung entstehen kann, wussten 70% der Befragten nicht. Hingegen nahmen mehr als 20% fälschlicherweise an, bei der Sepsis handele es sich um die Folge einer allergischen Reaktion. Die Umfrage zeigte auch, dass die Grippegefahr deutlich unterschätzt wird. In Deutschland sterben jährlich weit mehr als 10.000 Menschen an einer Sepsis infolge einer Grippe.
Ebenso ist die Möglichkeit, sich durch Impfung zu schützen, weitgehend unbekannt. Nur etwa jeder Fünfte der Befragten wusste, dass Grippe- und Pneumokokken-Impfungen Schutz vor Infektionen bieten, die zu einer Sepsis führen können. In einer schwedischen Studie mit über 65-Jährigen führte eine kombinierte Impfung gegen Grippe-Viren und Pneumokokken – die relevantesten bakteriellen Erregern einer Lungenentzündung – zu einer Reduzierung der Sterblichkeit um über 50%.
In einer weiteren aktuellen Impfstudie in der Gruppe der über 65-Jährigen konnte die alleinige Impfung gegen Pneumokokken die Fallzahl von Lungenentzündungen innerhalb von 3 Jahren um etwa die Hälfte reduzieren. Deshalb empfehlen die Weltgesundheitsorganisation und das Robert Koch-Institut die doppelte Impfung für Erwachsene über 60. Das gilt auch für Menschen aller Altersklassen mit geschwächter Immunabwehr, z.B. durch chronische Erkrankungen der Lunge, Leber oder Niere, bei Diabetes, fehlender Milz, medizinischem Personal und in der Schwangerschaft.

Professor Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung: „Die Ergebnisse der Umfrage sind ermutigend, machen aber auch deutlich, wie groß der Aufklärungsbedarf ist. Deshalb fordert die Sepsis-Stiftung zusammen mit 12 medizinischen Fachgesellschaften einen Nationalen Aktionsplan gegen Sepsis. Wir appellieren an das Engagement der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die politisch Verantwortlichen, über Prävention und Früherkennung von Sepsis genauso effektiv aufzuklären, wie diese bereit bei Krebs und sexuell übertragbaren Krankheiten in vorbildlicher Weise geschieht.“

Quellen:
-Fleischmann C, Thomas-Rueddel DO, Hartmann M, Hartog CS, Welte T, Heublein S, Dennler U, Reinhart K: Hospital incidence and mortality rates of sepsis-an analysis of hospital episode (DRG) statistics in Germany from 2007 to 2013. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 159-66.
-Bonten MJ, Huijts SM, Bolkenbaas M, et al.: Polysaccharide conjugate vaccine against pneumococcal pneumonia in adults. N Engl J Med 2015; 372 (12): 1114-25
-Brith Christenson, Per Lundbergh, Jonas Hedlund, Åke Örtqvist Effects of a large-scale intervention with influenza and 23-valent pneumococcal vaccines in adults aged 65 years or older: a prospective study. Lancet 2001; 357: 1008-11

Über die Sepsis Stiftung

Allein in Deutschland sind pro Jahr 15.000-20.000 Sepsis-Tote vermeidbar.
Die Sepsis-Stiftung wurde im Jahr 2012 als Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Jena gegründet. Die Stiftung dient der Förderung der Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation zur frühzeitigen Diagnose, Behandlung, Prävention sowie der Minderung von Folgeschäden einer Sepsis. Die Haupttätigkeiten der Stiftung liegen darin, Aufklärung innerhalb von Gesundheitsdiensten und Behörden zu leisten und durch Beeinflussung von Politik und Gesellschaft die Zahl der in Deutschland durch Sepsis Betroffenen nachhaltig zu senken.
Die Sepsis Stiftung ist zudem die rechtliche Dachorganisation für die aus dem Kompetenznetzwerk SepNet hervorgegangene Studiengruppe. SepNet ist ein Verbund von über 100 Ärzten und Wissenschaftlern bzw. 50 Kliniken und Universitäten aus ganz Deutschland, die in gemeinsamen Projekten klinische Studien rund um das Thema Sepsis betreiben. Als Mitglied der Global Sepsis Alliance, einem weltweiten Dachverband für über 50 Länderorganisationen, ist die Stiftung eng in Aktivitäten internationaler Initiativen eingebunden.

Der 13. September ist Welt Sepsis Tag.

Kontakt:

Wibke Wetzker
Sepsis Stiftung
Erlanger Allee 101
07747 Jena
www.sepsis-stiftung.de
Email: office[at]sepsis-stiftung.de
Tel: 03641 9323 138

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