Demenz Forum Berlin 2015 unterstützt Netzwerkarbeit vor Ort

Zum Thema Rehabilitation und Entlastung der Angehörigen von Menschen mit Demenz informierten sich in der Landesvertretung von Schleswig-Holstein 70 Berliner Akteure aus Pflege, Medizin, Beratung und Politik.

Demenz Forum Berlin 2015 unterstützt Netzwerkarbeit vor Ort

Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin Prävention/Pflegeversicherung im Bundesgesundheitsministerium

Das Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg hat in Berlin am 27.02.2015 Mitarbeiter von Pflegestützpunkten, Behörden, Pflegeanbietern und Vertreter von Krankenkassen sowie niedergelassene Mediziner und ehrenamtliche Helfer zum Demenz Forum Berlin eingeladen.

In die schleswig-holsteinische Landesvertretung waren rund 70 hochmotivierte Teilnehmer gekommen, darunter Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke und Regina Kraushaar vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dort zuständig für Pflegesicherung und Prävention. Sie lobte in ihrem Grußwort die Innovationsfreude der Gastgeber aus dem nur 240 Kilometer entfernten Ratzeburg und betonte die Bedeutung von richtungsweisenden Rehabilitationskonzepten für die Entwicklung bundesweiter gesundheitspolitischer Vorhaben.

Die Referentenrunde eröffnete die Hamburger Soziologin Dr. Hanneli Döhner mit einer Präsentation von Studien der vergangenen Jahre zu pflegenden Angehörigen. Die anschließende Diskussion ergab folgendes Bild: Verwandte oder Partner, die sich tagtäglich um ein Familienmitglied mit Demenz kümmern, sehen sich erfahrungsgemäß selbst kaum als pflegende Angehörige. Bis zur Diagnosestellung Demenz kompensieren sie bereits längere Zeit die schwindenden Fähigkeiten der Betroffenen und wachsen so unmerklich in diese Rolle hinein. Dies führte zur Frage: Wie lassen sich dann die Betroffenen in ihrer häuslichen Pflegesituation eigentlich identifizieren?

Eine Teilantwort dazu gab Sylvia Kern, die Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. im zweiten Vortrag: Ihrer Erfahrung nach werde der pflegende Angehörige besser erkannt, wenn er selbst einen anderen Hausarzt habe als der von Demenz Betroffene – was bei Ehepaaren oftmals aber nicht der Fall sei. Deshalb unterstützt sie mit ihren Handlungsempfehlungen „Beipackzettel: Diagnose Demenz“ vor allem Hausärzte darin, „einen gelingenden Dialog mit Betroffenen und ihren Angehörigen zu führen, wenn sie die Diagnose Demenz vermitteln müssen“.

Diesen Unterstützungsgedanken nahm der Chefarzt des Alzheimer Therapiezentrums (http://www.alzheimertherapiezentrum.de) , Synan Al-Hashimy gerne auf, denn sein interdisziplinäres Therapeutenteam hat ein mehrteiliges Infopaket zusammengestellt, das es Ärzten und Pflegeberatern erleichtert, pflegende Angehörige für ihre eigene Belastungssituation zu sensibilisieren und sie vom Nutzen einer Rehabilitation zu überzeugen. Er erlebt bei den Menschen, die einen Demenzbetroffenen versorgen, vor allem eines: „Sie würden niemals ohne ihren Schützling zur Reha kommen und können in den ersten sieben bis zehn Tagen auch kaum „loslassen“ von der Sorge um ihn.“

Der Erfolg des Reha-Konzepts mit Mitnahmeoption für Menschen mit Demenz (RATZEBURGER MODELL) habe alle überrascht und im dritten Jahr nach dem Start zu kaum akzeptablen sechs Monaten Wartezeit geführt. „Am 1. August 2015 wird deshalb ein Erweiterungsbau mit einer Aufstockung auf 30 Rehabilitationsplätze sowie 26 Betreuungsplätze für demente Begleitpersonen eröffnet“, kündigte Al-Hashimy an.

Einen besonders wohlwollenden Blick auf Menschen mit Demenz und ihre Begleiter richtete Diplom-Pädagoge und Altersexperte Erich Schützendorf. Er empfahl: „Wer pflegt, muss sich selber pflegen.“ Augenzwinkernd und mit rheinländischem Humor plädierte für gelassenere Formen des Umgangs mit Menschen, die sich „auf eine Reise weg vom Verstand machen und dafür verständnisvolle Begleitung brauchen“.

Das Veranstaltungsteam freute sich über die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer beim Demenz Forum Berlin 2015. „Viele haben offenbar einen neuen Blick auf die Situation der informell Pflegenden gewonnen: Wie man sie identifizieren kann, aber auch, welche Möglichkeiten es gibt, sie für Entlastungs-, Auszeit- und Rehabilitationsangebote zu gewinnen. Denn das bleibt nach wie vor eine große Herausforderung“, so Organisatorin Janett Deckert.

Rehabilitation nach dem RATZBEURGER MODELL:
Pflegende Angehörige oder Partner von Demenzkranken erhalten im Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg eine stationäre psychosomatische Rehabilitation – das demenzkranke Familienmitglied können sie mitbringen.

Demenz bedeutet: eine Diagnose – zwei Patienten.
Entwickelt wurde dieses Reha-Angebot, weil es einem Angehörigen durch das enge Pflegeverhältnis schwer fällt, den von ihm Betreuten in andere Hände zu geben. Im Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg werden deshalb Demenzerkrankte sogar in den Behandlungsprozess miteingebunden: An ausgewählten Therapien, nehmen sie gemeinsam mit den pflegenden Angehörigen teil und erhalten zusätzlich noch eigene therapeutische Angebote.

Diese Interaktion ist ein wichtiger und zentraler Bestandteil der Behandlung: Neu Erlerntes im Umgang mit Demenzkranken (z.B. Validation), kann gleich praktisch geübt und umgesetzt werden. Die Begegnung zwischen Angehörigem und Demenzkrankem wird im geschützten Rahmen ohne Versorgungsbelastung erlebt. Das Therapieangebot umfasst ärztliche Visiten, Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Schulungsmaßnahmen zum Thema Demenz, Entspannungsverfahren, Kunst-, Musik- und Ergotherapie, Physikalische Anwendungen, Krankengymnastik.

Grundlage für dieses außergewöhnliche Behandlungskonzept ist ein zwischen den gesetzlichen Krankenkassenverbänden und der Röpersbergklinik Ratzeburg GmbH Fachbereich Alzheimer Therapiezentrum bestehender Versorgungsvertrag gemäß § 111 SGB V. Seit 1. Mai 2012 gelten die mit den Verbänden der Krankenkassen geschlossenen Vergütungsvereinbarungen. Außerdem erleichtert seit Anfang 2013 das Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG) pflegenden Angehörigen, medizinische Vorsorge und Rehabilitation in Anspruch zu nehmen und den Pflegebedürftigen mitzunehmen.

In Ratzeburg werden pflegende Angehörige auf Basis einer Einweisungsdiagnose, die der Haus- oder ein anderer Facharzt stellt, stationär aufgenommen. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 21 Tage. Es steht pflegenden Angehörigen frei, ihr demenzkrankes Familienmitglied mitzubringen: Entweder als Begleitperson im Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg (wenn keine oder die Pflegestufe 0 für den Demenzkranken vorliegt) oder im Rahmen der Verhinderungspflege (bei Vorliegen der Pflegestufen 1-3) im Angehörigenbereich, der sich im selben Gebäudekomplex befindet.
Das Alzheimer Therapiezentrum ist eine Fachabteilung der Röpersbergklinik, die zur Röpersberg-Gruppe Ratzeburg gehört.

Firmenkontakt
Alzheimer Therapiezentrum Ratzeburg
Janett Deckert
Schmilauer Straße 108
23909 Ratzeburg
04541-133816
janett.deckert@atzrz.de
http://www.alzheimertherapiezentrum.de/

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