(K)ein Leben ohne Mobiltelefon

(K)ein Leben ohne Mobiltelefon

Die ständige Erreichbarkeit am Handy kann belasten. Foto: djd/Ergo Direkt Versicherungen/Corbis

(mpt-622) Ein Leben ohne Handy ist für viele Deutsche kaum mehr vorstellbar. Ständige Erreichbarkeit gehört für viele von ihnen zum Alltag. Bleibt das Mobiltelefon einmal aus Versehen zu Hause liegen, wird manch einer regelrecht panisch – zu groß ist die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Selbst Kinder sind heutzutage äußerst versiert im Umgang mit dem Handy und beschäftigen sich nahezu rund um die Uhr damit. Doch es gibt auch einige Menschen, die von der erwarteten, ständigen Erreichbarkeit genervt sind und es vermissen, einfach einmal „Ruhe“ zu haben.

Immer erreichbar? Kein Problem!

Doch wie halten es die Deutschen nun genau mit dem Handy? Was halten sie davon, ständig erreichbar zu sein und das Leben ohne Mobiltelefon scheinbar nicht mehr organisieren zu können? Eine Umfrage, die die Stiftung Internetforschung für die Ergo Direkt Versicherungen durchgeführt hat, hat genau diese Fragen den Umfrageteilnehmern gestellt. Wie sich herausgestellt hat, bedeutet immer erreichbar sein zu können – oder sein müssen – für ca. 15 Prozent der Befragten Stress pur. Sie sehen ihre Freizeit dadurch erheblich beeinträchtigt. Bei den jungen Teilnehmern zwischen 18 und 29 Jahren fühlten sich sogar 25 Prozent durch häufige Anrufe belästigt. Der überwiegende Großteil der Befragten hat jedoch kein Problem damit, für andere via Mobiltelefon nonstop „greifbar“ zu sein. Fünfzig Prozent schätzen vielmehr die Sicherheit, die ihnen ihr Handy gibt, da sie dadurch immer und überall erreicht werden und im Notfall auch selbst nach Hilfe rufen können. Etwas mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer empfindet die ständige Erreichbarkeit sogar als Zeichen von Freiheit.

Mobiltelefon selbst im Bad mit dabei

Das Handy ist mittlerweile fest in den Alltag der meisten Menschen integriert. Tatsächlich sind mehr als dreißig Prozent der unter 70-jährigen Deutschen sowohl im Beruf als auch im Privatleben zwischen 21 und 24 Stunden pro Tag und damit beinahe rund um die Uhr zu erreichen. Rund ein Drittel der befragten Männer und ca. 40 Prozent der befragten Frauen haben dabei kein Problem, auch außerhalb der Arbeitszeit kontaktiert zu werden. Jeder Fünfte nimmt Anrufe sogar während der Schlafenszeit entgegen. Fünf Prozent aller Umfrageteilnehmer und dreizehn Prozent benutzen ihr Handy zudem selbst im Badezimmer. Jeden Dritten zwischen 18 und 29 Jahren begleitet das mobile Telefon sogar aufs stille Örtchen: Mehr als zwei Drittel der unter 30-jährigen lesen oder schreiben auf der Toilette SMS. Lediglich Kino, ein Arztbesuch oder der Gottesdienst scheinen noch Tabuzonen in Sachen Handynutzung zu sein. Für Angehörige sind 87 Prozent der Umfrageteilnehmer übrigens ohne Einschränkung zu erreichen. Auch Freunde und Bekannte dürfen sich noch zu fortgeschrittener Stunde telefonisch melden – für 50 Prozent der Befragten ist das durchaus in Ordnung. Nur Vorgesetzte, Kunden oder Arbeitskollegen werden zu später Stunde seltener, ungern oder gar nicht angenommen. Auch wenn ungefähr zehn Prozent der Befragten aus beruflichen Gründen stets via Handy zu erreichen sind, nehmen sie solche Anrufe nur während der Arbeits- oder Öffnungszeiten entgegen.

Telefonieren am Steuer

Jeder weiß eigentlich, dass Autofahren mit dem Handy am Ohr strafbar ist – dennoch nehmen rund 15 Prozent der Befragten in Kauf, dabei ertappt zu werden und telefonieren im Auto ohne Freisprecheinrichtung. Rund ein Viertel der befragten Personen unter 30 Jahren behauptet nämlich, gleichzeitig telefonieren und fahren zu können ohne dabei abgelenkt zu sein. 16 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass sie sich durchaus vorstellen könnten, während einer Fahrt sogar Textnachrichten zu verfassen. Unter den 30-jährigen waren sogar 32 Prozent der gleichen Meinung.

Immer dabei

Jeder Siebte der Umfrageteilnehmer fühlt sich ohne Handy „nackt“. Gerade für die jüngere Generation der 18- bis 29-jährigen ist ein Leben ohne den mobilen Begleiter schlichtweg nicht mehr vorstellbar. Sie kontrollieren in etwa alle zehn Minuten das Mobiltelefon auf vermeintlich eingegangene Anrufe oder Nachrichten. Die meisten vernehmen mittlerweile sogar schon ein sogenanntes „Phantomklingeln“: Sie glauben dann, ihr Telefon habe geklingelt, obwohl dies gar nicht der Fall war. Auch die 30- bis 39-jährigen sind von diesem Symptom betroffen: Jeder Dritte gab an, sich in dieser Situation wieder zu erkennen.

Erreichbarkeit klar regeln

Eine Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom hat darüber hinaus ergeben, dass ungefähr 77 Prozent der Deutschen auch in ihrer Freizeit bei Anrufen von Kunden, dem Chef oder Arbeitskollegen ans Telefon gehen oder E-Mails von diesen beantworten. Und das, obwohl es in 62 Prozent der Unternehmen keine Richtlinien gibt, ob und zu welcher Zeit ein Arbeitnehmer außerhalb seiner Arbeitszeit zur Verfügung stehen muss. Etwa 30 Prozent der befragten Handybesitzer sind allerdings rund um die Uhr zu erreichen. Am Abend oder am Wochenende reagieren 32 Prozent auf das Klingeln ihres Mobiltelefons. Gerade einmal 15 Prozent nehmen nur Anrufe wirklich wichtiger Personen entgegen und nur etwa 16 Prozent sind außerhalb ihrer Arbeitszeiten überhaupt nicht zu erreichen. Auch wenn Mobilität und flexible Arbeitszeiten immer stärker zunehmen, empfiehlt der IT-Branchenverband Bitkom, dass sowohl die Arbeitszeit als auch die geforderte Erreichbarkeit via Telefon und E-Mail zwischen Arbeitgeber und -nehmer eindeutig geregelt werden sollten. Gesetzliche Richtlinien hält der Verband allerdings nicht für zeitgemäß.

Mehr Informationen zur Studie sowie eine interessante Infografik stehen unter ergodirekt.de zur Verfügung.

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