Neukonzeption des Zwieseler Waldmuseum ist in vollem Gange

Deutschlands erstes Waldmuseum in Zwiesel im Bayerischen Wald wird neu ausgerichtet. Gerade wurde die wertvolle Sammlung einheimischer Tierarten aufwändig restauriert.

Neukonzeption des Zwieseler Waldmuseum ist in vollem Gange

Mit Pinsel und Tuch säubert Lars Mandler die wertvollen Präparate

Zwiesel – Ein Uhu blickt mit strengem Auge in die Ferne, ein Falke stürzt auf seine Beute und unweit davon streifen zwei kleine Rehkitze um die Beine ihrer Mutter. Was nach Naturidyll aus einem Heimatfilm klingt, ist bald wieder für Jedermann erlebbar, denn: Die Neukonzeption des Zwieseler Waldmuseum läuft auf vollen Touren. Unter anderem soll die Ausstellung der Tierpräparate, die aktuell im Alte Mädchenschulhaus installiert wird, in neuem Glanz erstrahlen. Damit wird ein weiteres Kapitel in der Geschichte des ersten und ältesten Waldmuseums Deutschlands eingeläutet. Gerade hat ein sechsköpfiges Team um Präparator Lars Mandler (41) die wertvolle Sammlung ausgestopfter Tiere restauriert.
Auch wenn es im allgemeinen Sprachgebrauch immer noch so heißt: „Genau genommen wird seit Jahrzehnten gar nicht mehr ausgestopft“, erklärt Mandler, der seinen Firmensitz im thüringischen Kirchheim hat. Heute werden erst einmal Plastiken des Körpers erstellt. „Man kann sich das am ehesten wie die Arbeit eines Bildhauers vorstellen“, so Mandler. Die Haut des Tieres, die mit einem Skalpell komplett bis ins kleinste Detail abgetrennt wurde, wird schließlich über das Modell gestülpt. Dabei muss eine schier unglaubliche Präzession an den Tag gelegt werden. Jeder Muskel, jede Sehne wird heraus modelliert und sichtbar gemacht. Sogar Präparier-Weltmeisterschaften gibt es inzwischen. Wie genau gearbeitet werden sollte, macht Mandler an einem Beispiel fest: Die Scheidewand einer Antilope muss lichtdurchlässig sein, wenn der Wettkampf-Juror mit der Taschenlampe in deren Nasenloch leuchtet. Auf die Frage, ob er auch an derartigen internationalen Wettkämpfen teilnehme, winkt Mandler ab: „Dafür fehlt mir die Zeit.“ Neben dem Präparieren und Restaurieren von Tieren widmet sich sein Atelier nämlich unter anderem auch dem Erstellen von Tier- und Pflanzenmodellen. Dazu gehört die Nachbildung historischer Knochenfunde ebenso, wie die Darstellung historischer Apfelsorten (weitere Infos unter: www.natur-ausstellung.de ).
In Zwiesel geht es derzeit allerdings hauptsächlich darum, die vorhandenen Exponate zu sichten, zu säubern und abzuwaschen. Die wichtigsten Werkzeuge sind dabei Pinsel sowie ein Tuch, das in einer Speziallösung getränkt ist. Wenn nötig, werden schließlich auch Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Doch selbst wenn heute bei Präparaten absolute Detailgenauigkeit und Natürlichkeit gefragt sind, wird nicht unbedingt jeder Fehler entfernt. Mandler erklärt anhand des Glasauges eines historischen Schwarzspecht-Präparates: Auch wenn das Auge nicht realistisch dargestellt sei, so werde daran nichts geändert, das Exponat bei der Restaurierung wie ein Kunstwerk behandelt. „In einem alten Meisterwerk von Rembrandt würde man ja auch nicht herumpfuschen, um beispielsweise die Perspektive zu verändern“. Die Zwieseler Sammlung gefällt Mandler dabei ausnehmend gut: Es ist demnach ein schöner Querschnitt unserer heimischen Tierarten. Und sie ist umso wertvoller, da viele der Tiere heute streng, beziehungsweise besonders geschützt sind und nur unter besonderen Auflagen, zum Beispiel für Lehr- und Forschungszwecke präpariert werden dürfen.
„Über 400 Ausstellungsstücke werden gereinigt, sortiert und verpackt, um dann ins Alte Mädchenschulhaus umzuziehen“ , sagen Kunsthistorikerin und Archäologin Elisabeth Vogl und Historiker Sven Bauer, die beide für die Neukonzeption des Waldmuseums verantwortlich und sich dieser Verantwortung durchaus bewusst sind: „Die Ausstellung wird zeitgemäß und didaktisch aufbereitet“.
Gemeinsam mit Museumsleiterin Frauke Oelbauer haben die beiden Historiker zudem in alten Unterlagen gestöbert und sind dabei auf die lange Geschichte des Hauses und auch immer wieder auf einen Namen gestoßen: Konrad Klotz (*1905, +1994). Der Zwieseler Oberforstrat gilt als Initiator des Naturparks Bayerischer Wald und hat im Jahr 1965 das Waldmuseum gegründet. Es war damals in Deutschland das erste seiner Art. Nicht zuletzt für dieses unermüdliche Engagement, die Menschen für die heimische Natur zu interessieren und zu sensibilisieren bekam er im Jahr 1975 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Zwiesel verliehen. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, diese Erbe weiterzuführen“, sagt Oelbauer.

Hintergrundinformationen zur Glasstadt Zwiesel
Die Glasstadt Zwiesel liegt im weiten Flusstal des Regen, direkt am Nationalpark Bayerischer Wald, dem ältesten Nationalpark Deutschlands. Zwiesel ist die bekannteste Glasstadt im Bayerischen Wald und für das jahrhundertealte Kunsthandwerk europaweit bekannt und geschätzt. Heute arbeiten rund 800 Personen in Glasbetrieben und Hütten, wie den international bedeutenden Glashütten Zwiesel Kristallglas AG und der Krystallglasmanufaktur Theresienthal oder in individuellen Werkstätten und zahlreichen Künstlerateliers. Im Winter machte sich Zwiesel als Austragungsort der Ski-Weltcup-Rennen der Damen am nahen Arber (1456m) einen Namen. In den Sommermonaten steht der Name Zwiesel für einen umweltbewussten Ferienort für Wanderer und Naturfans.

Kontakt
Stadt Zwiesel
Frauke Oelbauer (Museumsleiterin)
Stadtplatz 27
94227 Zwiesel
09922/840583
waldmuseum@zwiesel.de
http://www.waldmuseum-zwiesel.de

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