„Wenn jemand stürzt, dann war es nicht immer die Teppichkante.“

Falsche Vorstellungen über alte Menschen in der Notfallmedizin

"Wenn jemand stürzt, dann war es nicht immer die Teppichkante."

PD Dr. med. Johannes D. Bastian eröffnete den Orthogeriatrie Tag im Altersanzug AgeExplorer. (Bildquelle: @orthogeriatrics.ch)

„Wenn jemand stürzt, dann war es nicht immer die Teppichkante“, war eine der provokanten Aussagen, mit denen Prof. Dr. med. Aris Exadaktylos den 2. Orthogeriatrie Tag in Bern eröffnete. Der Klinikdirektor des universitären Notfallzentrums am Inselspital Bern forderte mit diesem Satz, die wachsende Zahl alter Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser gründlicher zu untersuchen. Dies sei eine wichtige Massnahme zur schnellen Rehabilitation nach Stürzen. Ein Sturz sei ein Symptom und keine Diagnose. Die Teppichkante sei eine schöne Erklärung, aber oft verstecke sich hinter einem Sturz etwas anderes.

Weiterhin zeigte Professor Exadaktylos: Je älter die Patienten, desto weniger Schmerzmittel bekommen sie auf Notfallstationen. Und dies sei falsch, „weil wir wissen, dass Schmerz einer der brutalsten Trigger für Delirien ist“.

An die Trauma-Teams in den Notaufnahmen appellierte er: „Man darf die alten Menschen nicht bestrafen, dass sie so alt geworden sind, sondern man muss sie dafür belohnen.“ Vor allem die sehr Alten seien hart im Nehmen. Dies seien Menschen, die es geschafft hätten, z.B. 95 Jahre zu überleben. Und deshalb müssten wir diesen Patienten die gleiche Art von Medizin geben, wie wir es bei einem 70jährigen machen.

Nach der Keynote von Prof. Exadaktylos folgte eine Workshop-Session mit 12 Beiträgen rund um das Thema Frakturen bei betagten Patienten. In einer dritten Session ging es um Ansätze der postoperativen Mobilisation nach Frakturversorgung am Hüftgelenk: Vollbelastung oder nicht?

Mit rund 190 Anmeldungen war der 2. Orthogeriatrie Tag so erfolgreich wie der erste im Jahr 2018. Der Initiator, PD Dr. med. Johannes D. Bastian, hatte den Kongress aufmerksamkeitsstark in einem roten Altersanzug AgeExplorer eröffnet, um die Teilnehmer zu motivieren, sich intensiver mit den eingeschränkten Fähigkeiten alter Patienten zu beschäftigen.

Veranstalter des Orthogeriatrie Tages war das Orthogeriatric Research Center, Bern. Dies ist eine unabhängige, interdisziplinäre und interprofessionelle Forschungsgruppe unter der Leitung von PD Dr. Bastian, Prof. Dr. Stuck und Prof. Dr. Schönenberger. Ziel ist die Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen im Bereich Alterstraumatologie und Orthogeriatrie, um die Behandlungsqualität betagter Patientinnen und Patienten zu optimieren.

Der AgeExplorer® ist ein Alterssimulationsanzug, der jüngeren Menschen die Möglichkeit bietet, innerhalb weniger Minuten in die Wahrnehmungs- und Erfahrungswelt älterer Menschen einzutauchen: nachlassendes Hörvermögen, Alterssichtigkeit, Veränderungen des Farbensehens, nachlassende Kraft und Beweglichkeit. Der AgeExplorer ist ein Produkt von Dr. Gundolf Meyer-Hentschel, der 1994 den ersten Alterssimulationsanzug entwickelt hat und als Erfinder dieser Produktkategorie gilt.

Kontakt
Meyer-Hentschel Institut, Zürich/ Saarbrücken
Chantal Fuhr
Science Park 2
66123 Saarbrücken
0700 123 456-01
info@ageexplorer.com
http://ageexplorer.com

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