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Karriererisiko Bescheidenheit

Führt Selbstüberschätzung wirklich zum Erfolg?

Von Ansgar Lange +++ Am 21. März war Equal Pay Day. Fast ein Vierteljahr müssen Frauen länger arbeiten, um auf das Durchschnittsgehalt von Männern zu kommen. Diese Ungleichheit hat verschiedene Ursachen. Karriereberater sagen allerdings, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen oft zu defensiv, kompromissbereit und bescheiden auftreten. Männer treten in Gehaltsverhandlungen dagegen oft selbstsicherer auf und stellen höhere Forderungen. Die Bescheidenheit der Frauen wird mit weniger Gehalt „bestraft“, die Unbescheidenheit der Männer mit mehr Geld „belohnt“.

Dabei gilt Bescheidenheit doch oft als eine Tugend, mit der man gut durchs (Karriere-)Leben kommt. „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Diese alte Redewendung ist scheinbar ein Beleg für die These von Personalern, wonach starke Egos weiter kommen als schwache oder selbstkritische. Zwar glauben viele Personalexperten, so Christine Demmer in der Süddeutschen Zeitung (SZ) http://www.sueddeutsche.de , dass sie Blender im Vorstellungsgespräch mit Leichtigkeit entlarven. „Doch großspurige Bewerber haben oft mehr Erfolg als Kandidaten, die sich realistisch einstufen“, so die Autorin.

„Selbstüberschätzung ist hilfreich“, bestätigt auch der Psychologe Michael Dufner http://www.uni-leipzig.de/~diffdiag/pppd/?page_id=2539 von der Uni Leipzig. Dies gelte sogar dann, wenn andere wider Erwarten doch spürten, dass es sich um ein verzerrtes Selbstbild handelt. „Wer als starkes Ego wahrgenommen wird, ist zwar nicht beliebt. Trotzdem kommt so jemand leichter auf Führungspositionen.“

Dufner hat in einer Studie herausgefunden, dass die Überschätzung des eigenen Wissens und Könnens gewinnbringender ist als die gemeinhin geforderte realistische Selbsteinschätzung. „Das heißt: Wer sich für besser hält, als er tatsächlich ist, gilt bei seinen Mitmenschen als emotional stabil, sozial attraktiv und einflussreich. Das droht die beste Eignungsdiagnostik auszuhebeln“, schreibt Demmer.

„Führungsleute brauchen natürlich ein starkes Ego“, bestätigt der Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo http://www.centomo.de. „Wer zu bescheiden ist, setzt sich keine anspruchsvollen Ziele und kapituliert frühzeitig auf der Karriereleiter. Eine dauerhafte Überspannung oder Überschätzung der eigenen Fähigkeiten fällt allerdings schnell auf. Da kann man keinem versierten Personalexperten so leicht ein X für ein U vormachen.“

Generelle Vorsicht sei bei Studien mit angeblich eindeutigen Resultaten geboten. Vor rund fünf Jahren habe mal eine Bonner Studie herausgefunden, dass man mit Bescheidenheit im Beruf weiter komme als ohne diese Tugend. Wer zurückhaltend und offen auftrete, so der Bonner Psychologieprofessor Gerhard Blickle, finde leichter einen guten Mentor als ausgesprochene Selbstdarsteller, steige schneller im Unternehmen auf und erziele ein höheres Einkommen. „In der Tat sollten Berufsanfänger nicht zu forsch auftreten. Ein allzu gesundes Selbstbewusstsein kann dann leicht als Arroganz ausgelegt werden oder als Angriff auf die etablierten Hierarchien oder Strukturen in einem Unternehmen. Als absolute Top-Führungskraft darf man sicher etwas stärker auf die Pauke hauen. Allerdings mit dem Unterschied, dass das eigene Selbstbewusstsein nicht nur pure Behauptung ist, sondern immer mit Beispielen aus dem eigenen unternehmerischen Handeln in der Vergangenheit belegt werden kann“, so der centomo-Chef.

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