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Strukturwandel im Einzelhandel

Keine Chance für Fachgeschäfte?

Strukturwandel im Einzelhandel

Grafik: Supress

sup.- Der Online-Handel boomt: Für 2015 erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) bei den so genannten E-Commerce-Umsätzen mit Endverbrauchern ein Volumen von rund 43,6 Mrd. Euro, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 waren es lediglich 13,8 Mrd. Euro, die beim Verkauf über das Netz umgesetzt wurden. Die Kehrseite dieses Aufwärtstrends zeigt sich in den Innenstädten: Viele stationäre Fachgeschäfte kämpfen ums Überleben oder haben bereits aufgegeben. In der Umklammerung von Internet-Kaufportalen und überregionalen Filialketten gehen gerade dem mittelständischen Einzelhandel immer mehr Marktanteile verloren. Die schrumpfende Angebotsvielfalt trägt zusätzlich dazu bei, die Kunden vom City-Shopping abzuhalten. Der Attraktivitätsverlust der Innenstädte ist nach einer aktuellen Konjunkturumfrage des HDE bereits für 45 Prozent der Einzelhändler eines der zentralen Themen, die Herausforderung Online-Handel wird sogar von 48 Prozent genannt.

Als wichtigsten Rettungsanker in der Krise sehen viele Fachgeschäfte deshalb genau die Qualitäten, die sie nach wie vor von den Online-Shops unterscheiden. Individuell auf den einzelnen Kunden abgestimmte Warenpräsentationen mit kompetenter Information durch geschulte Fachverkäufer sowie ein echtes Begutachten, Antesten und Anfassen der Produkte – das alles ist vor dem heimischen PC nicht möglich. Auch manche Hersteller unterstützten bisher tatkräftig das Überleben des stationären Handels, indem sie zum Beispiel den höheren Aufwand für Präsentationsfläche, Personal, Mitarbeiterschulungen und Vor-Ort-Service durch Rabatte honorierten. Bei beratungsintensiven Warengruppen legten einige Hersteller sogar Wert darauf, dass ihre Produkte überhaupt nicht per Mausklick, sondern ausschließlich im Fachgeschäft gekauft werden können.

Dieser Hilfestellung wird jetzt vom Bundeskartellamt die wirtschaftliche und rechtliche Grundlage entzogen. Vertriebsbeschränkungen beim Online-Handel seien kartellrechtswidrig, so die Behörde, weil sie den Wettbewerb behindern. Kritiker dieser Behörden-Perspektive sehen allerdings gerade in der Tendenz, auf diese Weise schrittweise die Qualitätsstandards beim Vertrieb auszuhöhlen, eine Bedrohung der Angebotsvielfalt. „Die behördliche Anordnung ist Sterbehilfe für den Fachhandel“, urteilt der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel (http://www.pressebuero-brendel.com), Autor des Fachbuchs „Wirtschaft im Würgegriff / Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert“ (Campus Verlag, ISBN 978-3-593-50150-5): „Lokale Fachgeschäfte, die sich durch Kundenorientierung, persönliche Beratung und umfangreiche Service-Leistungen gegenüber den überregionalen Filialketten und Online-Händlern behaupten, sind in ihrer Existenz gefährdet, weil sie gerade diese Stärken nicht mehr zu wirtschaftlichen Bedingungen ausspielen können.“ Die Folgen sind bereits überall dort spürbar, wo Discounter-Filialen alteingesessene Fachhändler für Markenartikel verdrängen. Wenn Hersteller ihre Artikel jetzt auch im Internet unfreiwillig im Umfeld diverser Schnäppchenportale anbieten müssen, dann, so die Befürchtung Brendels, bleibt den Kunden nur noch ein allgemeines „Discountry“ statt abwechslungsreicher Warenlandschaften.

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