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„Im Jahre 2030 leben wir in einer Opakratie“

Caritas ruft zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen auf

Stuttgart, 3. Februar – 91 Prozent der jungen Menschen glauben, dass sie im Alter arm sein werden. Zu Recht fragen sie, ob wir unseren Wohlstand halten können, wenn die Gesellschaft so rapide altert und zugleich schrumpft. Wie ist es machbar, dass die jüngere Generation nicht für zwei arbeiten muss? Loyalität und Fairness zwischen den Generationen – dieser großen Zukunftsaufgabe nimmt sich die Caritas in Baden-Württemberg unter dem Motto „Mach dich stark für Generationengerechtigkeit“ an. Beim Caritas-Jahresauftakt im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart regte der katholische Wohlfahrtsverband an, Bedingungen zu schaffen, damit alle Generationen ein gutes Leben führen können. Im Mittelpunkt stand ein faires Miteinander von Jungen und Alten, aber auch von Einheimischen und Zugewanderten als Gewinn für die gesamte Gesellschaft. Sein Fazit: Damit keine Generation zu Lasten der anderen lebt, muss die Politik sicherstellen, dass auch nachfolgende Generationen einen ausreichenden Schutz in den Sozialversicherungssystemen erhalten. Zugleich gilt es, die Lebensleistung der älteren Generation zu respektieren.

„Letztlich geht es um die zentrale Frage, welche Voraussetzungen geschaffen sein müssen, damit gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit für die gegenwärtigen und die zukünftigen Generationen gesichert werden können“, sagte Diözesan-Caritasdirektor Monsignore Bernhard Appel (Freiburg) vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft. „Generationengerechtigkeit bedeutet eine soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Gestaltung der Umwelt und der Gesellschaft, die für jede (auch künftige) Generation annähernd gleiche Teilhabe- und Verwirklichungschancen sicherstellt.“

Dass der Anteil der älteren Menschen bei Wahlen immer größer wird, sieht Wolfgang Gründinger, Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen aus Berlin, kritisch: „Mit der demografischen Verschiebung der Altersgruppen wächst die Gefahr, dass die Älteren durch ihr strukturelles Wählergewicht die politische Agenda diktieren und Zukunftsthemen verdrängen.“ Themen wie Steuererleichterungen für Eltern oder öffentliche Kinderbetreuung fänden nachweislich bei älteren Menschen weniger Zustimmung. „Im Jahre 2030 werden wir in einer Opakratie leben, in der die Alten das Sagen haben.“ Die Zukunft 2030 hänge davon ab, wie Alte sich im Kampf um Pfründe, Posten und Parkbänke positionierten.

Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach (Stuttgart) sprach von Verantwortung, die wir einmal in Bezug auf unser Handeln und die politischen Weichenstellungen heute für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder hätten. „Als Caritas sehen wir uns außerdem in der Verantwortung, unseren Beitrag zu leisten, um gemeinsam mit anderen nach Lösungen zu suchen.“ Merkelbach appellierte an viel Fingerspitzengefühl und gegenseitigen Respekt.

Als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche vertritt die Caritas in Baden-Württemberg rund 3.800 Einrichtungen mit mehr als 175.000 Plätzen in unterschiedlichen Hilfefeldern, in denen 65.000 Mitarbeiter/innen tätig sind.

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