6. FACHKONGRESS DER IW.2050

Es gibt keine Kursänderung

6. FACHKONGRESS DER IW.2050

Rund 280 Fachleute trafen sich beim 6. IW.2050-Fachkongress. (Bildquelle: IW.2050 / Walter Vorjohann)

Angesichts von Kriegen und Energiekrisen hält die sozial orientierte Wohnungswirtschaft am Kurs „Klimaneutralität“ fest. Das zeigte sich in zahlreichen Diskussionsrunden und Fokus-Sessions des 6. Fachkongresses der Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) in Darmstadt.

Als gelte es, Skeptiker:innen in den eigenen Reihen endgültig für die Sache des Klimaschutzes zu gewinnen, belegte der Kongress mit Fakten und Daten, dass die Wohnungswirtschaft mit der Wärmewende aktiver Teil der 4. weltweiten Energierevolution ist. Energieexperte Dr. Tim Meyer machte in seiner Keynote deutlich, dass die Stromproduktion aus Wind und Sonne weltweit eine exponentielle Wachstumskurve erreiche. Sie sei ungleich steiler, als es die Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas je erreicht hätten. Ursache seien die Skaleneffekte der industriellen Massenproduktion, insbesondere der von Solarmodulen und Batteriespeichern. Fossile Großkraftwerke ließen sich nicht in Serie herstellen. Der Markt habe längst entschieden: Die Elektrifizierung des Verkehrs- und Wärmesektors sei nicht mehr aufzuhalten, weil Elektromotoren und Wärmepumpen viel effizienter arbeiteten als Verbrennungsmaschinen.

Der Praxispfad bleibt der richtige Weg

Folgerichtig konstatierte GdW-Präsident und IW.2050 Vorstandsvorsitzender Axel Gedaschko in seiner Eröffnungsrede: „In dieser irren Welt bleibt der Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor der richtige Weg.“ Klimaschutz bleibe auf der Agenda, allerdings bei noch engeren ökonomischen Rahmenbedingungen. Angesichts der jüngsten Preisexplosion für Gas und Öl würden die Zinsen weiter steigen. Baumaterialien hätten sich bereits um 20 bis 30 Prozent verteuert.

Transformation so schnell wie möglich

Auf dem Weg der Transformation liegt Deutschland nach Einschätzung von Dr. Thomas Hain, stellvertretender Vorstand IW.2050 und Leitender Geschäftsführer der NHW, im Vergleich mit anderen Ländern weit zurück. „Je eher die Transformation kommt, desto besser“, erklärte Hain in seiner Rede vor 280 Kongressteilnehmer:innen. Dazu bedürfe es politischer Weitsicht und einer Strategie, die über Legislaturen und Parteigrenzen hinweg langfristig Bestand habe. In Deutschland gebe es allerdings ein energiepolitisches Tauziehen. „Angesichts des Krieges gegen den Iran und die Verknappung fossiler Energie feiern wir mit der Wiedergeburt der Gasheizung die Freiheit im Heizungskeller.“ Was wir wirklich bräuchten, ist jedoch der Ausbau der Stromnetze, nicht nur physisch, sondern auch durch Digitalisierung und den Einsatz von Smart Metern. In zahlreichen Nachbarländern seien 80 bis 100 Prozent aller Verbraucher mit intelligenten Stromzählern ausgestattet. In Deutschland betrage die Quote ganze 5 Prozent. Die jährliche Rechnung, die Deutschland für Gas- und Ölimporte zu zahlen habe, betrage 60 Milliarden Euro. Geld, das besser in regenerative Energietechnik investiert werden sollte. Hain: „Das würde unserem Land Resilienz verleihen gegen internationale Krisen.“

Gegen Ende seiner Rede verriet der stellvertretende Vorsitzende der IW.2050, was ihm angesichts der großen Herausforderungen Hoffnung macht: Unter Wohnungsunternehmen gebe es keine Konkurrenz, dafür aber eine große Bereitschaft, Wissen und Erfahrungen zu teilen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die große Mehrheit der IW.2050-Unternehmenspartner hätten bereits einen Klimapfad entwickelt, der Bestand habe, selbst wenn sich der politische Wind drehe.

Gas ist keine Option

Verkehrte Welt: In den Netzwerk-Runden des Fachkongresses konnten die Panelisten Fragen an das Kongresspublikum richten. Ein Format, das bereits im letzten Jahr großen Anklang fand. Hierbei wurde deutlich, dass die von der Regierung angestrebte Technologieoffenheit für die Gasheizung keine Option für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft darstellt. Die zu erwartenden Preissteigerungen für Gas – getrieben von der CO2-Steuer, den steigenden Netzentgelten und der Beimischung von Biogasen – würden nicht nur zu einer sozialen Schieflage führen. Gemäß den mietrechtlichen Eckpunkten des Gebäudemodernisierungsgesetzes müssen sich zukünftig Eigentümer im Falle des Einbaus einer neuen fossilen Heizung zu 50 Prozent an diesen Kosten beteiligen. Daher sei der Einsatz von elektrischen Wärmepumpen in Mehrparteienhäusern in weiten Teilen der Branche Konsens.

Fernwärme kritisch begleiten

Der zweite Weg – der Ausbau der Fernwärme – wurde insgesamt kritischer gesehen. Aufgrund der Monopolstellung der Versorger ergäben sich Mehrkosten um den Faktor drei bis vier. Und je grüner die Fernwärme werde, umso teurer werde sie auch. Dabei bestünde in vielen Kommunen ein Zwang zum Anschluss an die Fernwärme.

Der Praxispfad CO2-Reduktion legt den Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung der Energieerzeugung. GdW-Präsident Axel Gedaschko bekräftigte auf dem Kongress in Darmstadt, dass Klimaschutz nur auf diesem Weg finanzierbar bleibe. Der Geschäftsführer der GGH Heidelberg, Peter Bresinski, forderte eine konsequente Ausrichtung aller Förderrichtlinien auf die CO2-Vermeidung.

Schwerpunkt Tag 2: einfaches Bauen

Neben der Energiefrage war der „Hamburg-Standard“ für einfaches, schnelles und kostengünstiges Bauen zentrales Thema des IW.2050-Fachkongresses. Moderatorin Ulrike Trampe, Baufachjournalistin und Vorsitzende Arbeitskreis Baufachpresse, fragte die Expert:innen im Panel, inwieweit sich der vereinfachte Standard auf das Planungs- und Baugeschehen in der Hansestadt auswirkt. Die Runde war sich einig, dass die Idee des einfachen Bauens unter allen Beteiligten eine breite Diskussion ausgelöst habe. Marko Lohmann, Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG, bezeichnete den neuen Standard „als zentrales Element für den Neubau“. Baugenehmigungen würden jetzt zum Teil in acht bis zwölf Wochen erteilt, was früher 15 Monate gebraucht habe. Thorsten Schulte, Leiter Geschäftsbereich Bau bei der SAGA, beschrieb die Wirkung des Hamburg Standards so: „Es geht ein Ruck durch die Behörden.“ Die zentrale Antragskonferenz unter Beteiligung aller Entscheidungsträger sei der entscheidende Beschleuniger des Genehmigungsprozesses.

Themen-Workshops mit Praxisnähe

Der 2. Kongresstag war außerdem geprägt von neun einstündigen Fokus-Sessions. Expert:innen und Verantwortliche aus Wohnungsunternehmen teilten ihre Erfahrungen aus zahlreichen Transformationsprojekten. Darunter etwa die Speicherung von elektrischer und thermischer Energie im Quartier, Wertschöpfung durch PV-Investitionen, den Einsatz von intelligenten Heizungsthermostaten, das Energiemonitoring und der Einsatz von KI im Heizungskeller oder schließlich Wohnungsbau unter Wiederverwendung gebrauchter Baukomponenten.

Erstmals erweiterte die Initiative Wohnen.2050 den Fachkongress um einen 3. Veranstaltungstag. Der bot Raum für einen noch intensiveren Praxisaustausch der Arbeitsebene in vier Workshops zu den Themen Umsetzung und Finanzierung der Klimastrategie, Anwendung des KlimaPfadfinder-Tools, Betrieb und Steuerung von Wärmepumpen sowie Fallstricke im Umgang mit Fernwärme.

Positives Fazit zum 6. Fachkongress

Der geschäftsführende Vorstand der IW.2050, Felix Lüter, und die stellvertretende Vorständin, Michaela Meyer, waren sich am Ende des Kongresses darüber einig, wohin die Reise geht: „Wir werden bei der Wärmepumpe bleiben und müssen die Fernwärme angesichts der Kostenentwicklung im Auge behalten.“ Selbstkritisch fügte Michaela Meyer hinzu: „Unsere offene Flanke ist die Mieterkommunikation.“ Die Transformation könne nur gelingen, wenn die Kunden durch intensive Informationskampagnen auf diesem Weg mitgenommen werden. Das sei eine Kommunikationsaufgabe der Zukunft.

Save the date: Der 7. Fachkongress der IW.2050 findet vom 28. bis 30. April 2027 wieder im darmstadtium, Darmstadt, statt. Infos unter: www.iw2050.de

Die Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) ist ein bundesweiter Branchen-Zusammenschluss, gegründet 2020 in Berlin. Ihr Ziel: Die CO2-Emissionen der teilnehmenden Wohnungsunternehmen und -genossenschaften gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen so zu minimieren, dass das globale Kleiner-2-Grad-Ziel eingehalten wird. Insgesamt vereinen die Partnerunternehmen der IW.2050 über 2,2 Millionen Wohneinheiten, die bis spätestens 2045 klimaneutral entwickelt werden sollen.

Die Initiative versteht sich als Unterstützer der Wohnungsunternehmen und ihrer Verbände beim Erreichen der Klimaziele – aus der Branche für die Branche. Sie ist Netzwerk und Plattform für Wissensaustausch, stellt eigens entwickelte Werkzeuge zur Verfügung. Unter den 245 Unternehmenspartnern (Stand April 2026) befinden sich sieben der zehn größten Wohnungsunternehmen in Deutschland.

Weitere 13 institutionelle Partner sind die Hochschule EBZ Business School, der Spitzenverband GdW – Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sowie die Regionalverbände VdW südwest, VdW Rheinland Westfalen, VSWG – Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, vdw Sachsen, VdW Bayern, VdW – Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen, vbw Baden-Württemberg, der VNW – Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen, der BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, der vtw – Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e. V. und der VdWg SA Verband der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e. V.

Mehr Informationen zur Initiative Wohnen.2050 unter: www.iw2050.de, https://www.linkedin.com/company/initiative-wohnen-2050-e-v und www.youtube.com/channel/UCd9Amq_dwa53i9xXFEJK8BA

Firmenkontakt
Initiative Wohnen.2050 e. V.
Felix Lüter
Westhafenplatz 1
60327 Frankfurt am Main
+49 (69) 678674-1280

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