„Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Modifizierbarkeit“

Über den Trend bearbeitete Schnappschüsse mit dem Smartphone zu knipsen und Sozialen Netzwerken zu zeigen. Ein Gespräch mit dem Kultursoziologen Sacha Szabo

Sacha Szabo – Soziologe

Es ist das Medium der Zehnerjahre digitale Fotos, die mit Filtern bearbeitet werden, so dass sie plötzlich alt wirken, als ob sie mit analogen Kameras aufgenommen werden und so werden selbst die banalsten Objekte plötzlich mit einer Aura des besonderen versehen. Es scheint noch nie so leicht gewesen zu sein, Kulturproduzent zu sein. Wir sprachen mit dem Freiburger Soziologen Sacha Szabo , der im Auftrag des Instituts für Theoriekultur Alltagskulturen über die Faszination dieses Bilderwahns untersucht.

Was fasziniert die Leute so daran, Bilder alt wirken zu lassen und in Sozialen Netzwerken zu zeigen?
Sacha Szabo: Bei Instagramm kann man vom Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Modifizierbarkeit sprechen. Der Titel selbst ist ein abgewandeltes Zitat von Walter Benjamins berühmtem Aufsatz über die „Kunst im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“. Benjamin geht davon aus, dass durch die massenhafte Reproduktion die Aura eines Kunstwerks, also damit seine quasi-sakrale Funktion, verloren geht und Kunst nun zum reinen Ausstellungsobjekt wird. Der Film, so Benjamin, eröffnet durch seine Möglichkeiten der Manipulation und vor allem der Möglichkeit der Bewegung, dem Unbewussten einen Artikulationsweg. Es wird eine geschnittene, eine zerschnittene Wirklichkeit vorgestellt, in der die Welt nicht mehr als Ganzes, sondern nur noch ausschnitthaft in Erscheinung tritt.

Was hat der Film mit diesen Photoplattformen zu tun?
Sacha Szabo: Wir sehen beim Film die Vorwegnahme des Endes der Metaerzählungen durch das Ende der einen, allgemeingültigen symbolischen Ordnung. Es entsteht eine Welt aus Fragmenten. Und selbst diese Fragmente sind einer fraktalen Erodierung durch die Digitalisierung unterworfen. Nur noch Binärcodes geben Orientierung darüber was wirklich ist. Es ist nicht so, dass sich eine digitale Realität über die „Wirklichkeit“ legt, sondern die Wirklichkeit wurde durch eine digitale ersetzt.

Es geht um die Dualität von Artifiziell und Natural?
Sacha Szabo: Was die artifizielle Wirklichkeit auszeichnet ist, dass sie fehlerfrei ist. Das Naturhafte des Menschen zeigt sich hingegen darin, dass es die Spezialität der Natur ist, Fehler zu begehen. Mit Instagramm wird nun eine natürlich wirkende Realität inszeniert. Tatsächlich ist es aber eine Hyperrealität, die mit Hilfe von digitalen Analogfiltern eine glaubwürdige Wirklichkeit inszeniert. Man könnte an dieser Stelle aufhören und anmerken es sei eine Art Wiederverzauberung einer entzauberten Wirklichkeit. Das ist das poetische der einzelnen Bilder. Sie halten einen kurzen Moment von Wirklichkeit fest und geben sich den Anschein dieses auch authentisch zu verbürgen.

Aber?
Sacha Szabo: Betrachtet man jedoch das Phänomen Instagramm als Ganzes, dann ist die Sehnsucht nach Bildern und damit die dahinterstehende Sehnsucht den Subjekts nach Sprache trügerisch. Denn tatsächlich bedient sich Instagramm von Beginn an eines Netzwerks. Eines Netzwerks das von Millionen Nutzern gestrickt wird, indem sie jeweils für sich genommen beliebige Objekte zu einer neuen Erzählung zusammenreihen. Es macht den Charme aus, dass dies eine Erzählung ist die kein Telos, kein Ziel kennt, sondern sich potenzierend dynamisiert und genau damit ein Abbild einer kontingenten Wirklichkeit zu liefern vermag. Gerade weil die Bilder den Anspruch erheben authentisch zu wirken, bilden sie Realität ab die genau darin besteht, dass jeder eine Sehnsucht nach ihr hat.

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