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Das Moralverständnis der Banken: Wie denken Finanzmanager selbst darüber?

Interviews mit 38 Top-Managern des Finanzmarktgeschäfts zeigen, dass Gewinnmaximierung und Ethik kein Widerspruch in sich sein müssen | Empirische Studie bei Springer Gabler erschienen

Das Moralverständnis der Banken: Wie denken Finanzmanager selbst darüber?

Abb.: Coverabbildung des neuen Buchs Strategien der Moral am Kapitalmarkt von Springer Gabler

Berlin | Heidelberg | Wiesbaden, 10. September 2013. Seit Beginn der Kapitalmarktkrise 2008 läuft eine Debatte über die Finanzmoral. Der angesehene Bankier mutierte zum Banker, mit dem Begriffe wie Gier und Verantwortungslosigkeit assoziiert werden. In der öffentlichen Wahrnehmung haben sich Ethik und Finanzgeschäfte scheinbar zu diametralen Gegensätzen entwickelt. Parallel dazu wird die Forderung nach moralischem Handeln an den Finanzmärkten immer lauter. Nach Meinung von Irina Kummert, Präsidentin des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft e.V., ist „laut“ aber nicht gleich zu setzen mit „konkret“. Im Interview mit Springer für Professionals sagt die Expertin, dass Banker und andere Top-Finanzmanager zwar individuelle ethische Grundsätze haben, sie aber eine verbindliche Definition von Moral vermissen. Kummerts empirische Studie „Strategien der Moral am Kapitalmarkt“, die jetzt bei Springer Gabler erschienen ist, gibt umfassende Einblicke in das Denken und Handeln von Finanzmanagern.

Im Rahmen ihrer Studie hat Kummert prominente Kapitalmarktmanager in strukturierten Interviews gefragt, wie Ethik und Moral in ihr tägliches Handeln einfließen. Die Ursache für das Fehlen eines einheitlichen Verständnisses von Ethik sei laut der Autorin auch darin zu sehen ist, dass die mediale Stimmungslage Finanzexperten nicht zur offenen Selbstkritik bewegt. Nach Aussage der Befragten sei es nicht mehr en vogue zu sagen: „Da habe ich einen Fehler gemacht.“ Irina Kummert fordert daher eine vorurteilsfreie Gesprächskultur: „Im Rahmen der von mir durchgeführten Studie befanden sich meine Gesprächspartner aufgrund der zugesagten Diskretion im Umgang mit den mir überlassenen Informationen in einem geschützten Raum und waren entsprechend authentisch. Eine Gesprächskultur, die möglichst frei von Vorverurteilungen ist, wäre aus meiner Sicht hilfreich, um schneller zu konstruktiveren Ergebnissen zu kommen und sollte Regulierungsmaßnahmen zwingend ergänzen.“

Eine dieser Vorverurteilungen sei darin zu sehen, dass Gewinnmaximierung am Kapitalmarkt fälschlicherweise per se als unethisch angesehen werde. Ein Widerspruch von Moral und Gewinnerzielung ergebe sich aber nur dann, wenn lediglich zum eigenen Vorteil unfair agiert werde, etwa wenn auf der einen Seite ein Bankmitarbeiter bewusst falsch informiert oder auf der anderen Seite Anleger aufgrund enttäuschter Renditeerwartungen Banken verklagen. Kummert fordert insofern eine Veränderung des gesellschaftlichen Klimas. Denn alleine durch zunehmende Regulierung werde der Mensch in wachsendem Maße zum reinen Systemagenten, was sehr wenig mit Ethik und Moral zu tun hätte. Die Mehrzahl der Regulierungsmaßnahmen habe zudem nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt und mehr geschadet als genutzt. Einen menschlichen Umgang miteinander zu fördern sollte grundsätzlich nicht an den Staat delegiert werden, so die Wissenschaftlerin.

Dr. Irina Kummert rekrutiert als Geschäftsführende Gesellschafterin der IKP Executive Search GmbH Führungskräfte für Banken und Kapitalanlagegesellschaften und setzt sich als Präsidentin des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft e.V. dafür ein, dass die Mechanismen der Ethik transparent gemacht werden. Überdies engagiert sie sich für den konstruktiven Austausch zwischen Repräsentanten wissenschaftlicher Ethik und Unternehmensvertretern. In ihrer Studie zeigt sie an konkreten Beispielen, wie Ethik und Moral von Politikern, Journalisten und Anlegern auch genutzt wird, um Eigeninteressen zu verschleiern. Der Blick hinter die Kulissen des Kapitalmarktgeschäfts zeigt, dass Gewinnmaximierung nicht per se im Widerspruch zu Moral steht – gerade dann nicht, wenn unternehmerisches Handeln glaubwürdig ist.

Weitere Informationen:
www.springer.com/about+springer/media/pressreleases?SGWID=1-11002-6-1435145-0 | Pressemitteilung + Materialien zum Herunterladen
www.springerprofessional.de/4596230.html | Springer für Professionals: Interview mit Irina Kummert
www.springer-gabler.de/978-3-658-03508-2 | Informationen zum Buch

Kontakt:
Karen Ehrhardt | Manager Corporate Communications | tel +49 611 7878 394 | karen.ehrhardt@springer.com

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