Das WC: ein unterschätztes Kulturgut

Rund drei Jahre seiner Lebenszeit verbringt ein Mensch auf der Toilette. Das sind etwa 2.500 Toilettenbesuche pro Jahr, bei denen er durchschnittlich sechs bis sieben Mal täglich seine Notdurft verrichtet. Dabei hinterlässt er jährlich etwa 100 Kilogramm an Ausscheidungen und verbraucht, zumindest wenn er aus den westlich geprägten Industriestaaten stammt, über 20.000 Blatt Toilettenpapier.

Das WC: ein unterschätztes Kulturgut

Blick in die Ausstellung des Klo & So: Das Museum für historische Sanitärobjekte.

Grund genug für das „Klo & So“, dem Museum für historische Sanitärobjekte im österreichischen Gmunden, dem stillen Örtchen eine eigene Ausstellung zu widmen. „Kulturhistorisch gesehen ist das wassergespülte Klosett zweifelsohne eine wichtige zivilisatorische Leistung und ein Meilenstein in der Urbanisierung des Menschen – und wahrscheinlich eines der am meisten unterschätzten Alltagsobjekte“, sagt Alfred Zinhobl, Kurator des Klo & So. Und weiter: „Ohne WC wären die Hygieneprobleme und in der Folge die Seuchen in den Ballungsräumen der Neuzeit kaum beherrschbar gewesen.“ Kein Wunder, denn ein Gramm Fäkalien kann bis zu zehn Millionen Viren, eine Million Bakterien, 1.000 Parasiten und Hunderte Wurmeier enthalten – und in einer Grossstadt wie Berlin summieren sich die menschlichen Abfälle auf circa 800 Tonnen pro Tag. Nicht ohne Grund erheben sich also moderne Städte über riesigen Abwassersystemen und fast jeder Haushalt verfügt mit dem WC über seine eigene Schnittstelle dorthin.

Meilensteine der Kulturgeschichte
Dementsprechend verläuft die Geschichte des WCs parallel zum Prozess der Verstädterung und Industrialisierung in der Neuzeit: Erstmals erfunden wurde es 1596 in England von Sir John Harrington, der es bereits mit den Elementen ausstattete, die uns heute vertraut sind – Sitz, Spülkasten und Ventil. Obwohl auch Königin Elisabeth I. ein solches WC in ihrem Schloss einbauen liess, wurde es damals noch belächelt und geriet in Vergessenheit. Erst 1775 wurde das „englische Klosett“ von dem Londoner Uhrmacher Alexander Cumming wiederentdeckt und mit geruchshemmendem Siphon versehen. Cumming gilt seither als Erfinder des modernen WCs. Thomas William Twyford of Hanley, ein britischer Töpfer, entwickelte 1870 das erste WC aus Keramik. „Das war gegenüber den bis dahin üblichen Varianten aus Gusseisen ein bedeutender Fortschritt“, so Zinhobl, „denn Keramik ist hygienischer, reinigungsfreundlicher und günstiger herzustellen.“ Damit verhalf die Keramik dem WC zum breiten Durchbruch, denn nun konnte es auch kostengünstig industriell hergestellt werden. 1957 erfand dann der Schweizer Hans Maurer das erste Dusch-WC, das vor allem in Japan Verbreitung fand, und 1963 Xaver Jermann, ein Ingenieur des Schweizer Badspezialisten Laufen, die wandhängende WC-Keramik.

Eine Zumutung für die industrielle Produktion
Aber auch wenn das Keramik-WC heute in Serie gefertigt wird, sein Herstellungsprozess ist nach wie vor eine Zumutung für den industriellen Prozess. Das liegt vor allem an den Rohstoffen, aus denen sich die Grundmasse der Keramik, der so genannte Schlicker zusammensetzt: im Wesentlichen Kaolin, Ton, Feldspat und Quarzsand. „Das sind echte Naturprodukte mit Jahrmillionen alten Eigenschaften, die bei jeder Charge leicht voneinander abweichen“, erklärt Josef Linner, Entwicklungsleiter von Laufen, das in Gmunden ein Keramik-Werk betreibt, das auf die Fertigung komplexer keramischer Sanitärprodukte spezialisiert und in unmittelbarer Nachbarschaft des Klo & So beheimatet ist. Die Keramiker können diese Abweichungen zwar minimieren, aber für den Giessschlicker keine Konstanz gewährleisten, wie sie etwa bei künstlich hergestellten Stoffen üblich ist. Für jedes neue Giessverfahren müssen deshalb jeweils die optimalen Einstellungen gefunden werden. „Dazu braucht man sehr viel Erfahrung mit dem Werkstoff“, sagt Linner, „die sich nur in jahrelanger Übung gewinnen lässt.“

Intuition wie beim Kuchenbacken
Die zweite Hürde bei der Herstellung eines Keramik-WCs ist die so genannte „Schwindung“ wie der Keramiker sagt. Damit beschreibt er den Umstand, dass der Keramik beim Trocknen und beim Brand im über 1.200 °C heissen Tunnelofen das komplette Wasser entzogen wird. Dadurch schrumpft das Werkstück, der „Stücken“, um bis zu zwölf Prozent – zum Leidwesen jedes Keramiker allerdings völlig ungleichmässig und an den unterschiedlichsten Stellen. „Das ist ähnlich wie beim Kuchen backen, nur andersherum. Während sich beim Kuchen kaum vorhersagen lässt, um wie viel der Kuchen aufgeht, lässt sich beim „Backen“ der Keramik nicht exakt vorherbestimmen, wo der Stücken durch das verdampfende Wasser an Masse verliert“, beschreibt Linner das Problem. Wie die erfahrene Bäckerin, muss sich der Keramiker deshalb auf seine Intuition und seine Erfahrung verlassen und mögliche Deformationen schon bei der Modellform berücksichtigen, beziehungsweise immer wieder nachbessern, bis das Ergebnis perfekt ist. Simulationsprogramme versagen hier, die CAD-Spezialisten sind ganz auf ihr Fingerspitzengefühl angewiesen – der Zeitraum für die Entwicklung eines serienreifen WCs zieht sich dadurch häufig über mehr als ein Jahr hin.

So anspruchsvoll wie kein anderes Bad-Produkt
Aber auch die Geometrie im Innern des WCs stellt Entwicklung und Produktion vor grosse Herausforderungen. Damit ein WC sauber und rückstandsfrei spült, müssen die wasserführenden Spülkanäle optimal angelegt und frei von Deformationen sein – sonst reicht der Spüldruck nicht aus. „Entscheidend ist, dass die komplette Fläche der Innenschale bespült wird und das Papier innerhalb der ersten Sekunden in den Siphon gedrückt wird, da es sonst aufschwemmt“, so Linner. Dass es zu diesem Vorgang weltweit zahlreiche unterschiedliche Normen gibt, die festlegen, wie gross zum Beispiel Wasserfläche oder Siphon sein müssen oder welche Papiermenge und wie viele Prüfkörper weggespült werden müssen, macht es den Konstrukteuren ebenfalls nicht einfacher. „In technischer Hinsicht gibt kein anderes Bad-Produkt aus Keramik, das so herausfordernd und anspruchsvoll ist wie das WC“, fasst Linner zusammen.

Komplexität und Hygiene schliessen sich aus
Trotz aller Unwägbarkeiten in der Produktion ist das wassergespülte Keramik-Klosett auch in Zukunft kaum aus der modernen Gesellschaft wegzudenken. „An der Einfachheit des Keramik-WCs und des Transportmittels Wasser führt kaum ein Weg vorbei“, meint auch Alfred Zinhobl, „zumindest in den Gegenden der Welt, in denen kein Wassermangel herrscht.“ Geforscht wird deshalb vor allem an sparsameren Spülungen – es existieren beispielsweise bereits WCs, die mit nur zwei Litern spülen können – reinigungsfreundlicheren Oberflächen, verbesserter Ergonomie und zusätzlichen Funktionen wie etwa beim Dusch-WC. „Zu umständlich in der Handhabung darf das WC dabei allerdings nicht werden“, sinniert Zinhobl, „denn Komplexität und Hygiene schliessen einander aus.“

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Klo & So
Museum für historische Sanitärkeramik Gmunden
K-Hof Kammerhof Museen Gmunden
Kammerhofgasse 8
4810 Gmunden
Tel.: 07612/794 DW 423 oder 425
[email protected]

Dauerausstellung „Stille Orte. Stille Zeugen. Kulturgeschichten rund um Klo & Bad“
Das Klo & So beherbergt einige der interessantesten und für die Entwicklungsgeschichte des Bades prägendsten Ausstellungsstücke. Von Nachttöpfen und Zimmerklosetts, die als Möbelstücke getarnt waren, über Waschbecken mit kunstvoller Handbemalung, bis zu den ersten keramischen WCs mit Blaudekor.

Die weltweit einzigartige Sammlung umfasst rund 200 Ausstellungsstücke, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Anhand von originellen Geschichten rund ums sogenannte „Stille Örtchen“ werden die Exponate in Szene gesetzt.

Die Exponate des Museums sind unter anderem Dauerleihgaben von Laufen, einem führenden Schweizer Hersteller von Premium-Lösungen für das Badezimmer und ein Spezialist für hochwertige Sanitär-Keramik. Laufen sieht die Unterstützung der Sammeltätigkeit und des Museums als öffentliche Verantwortung zur Wahrnehmung von wichtigem Kulturgut.
http://www.laufen.com

LAUFEN – DESIGNBÄDER MIT MEHRWERT

Laufen ist ein Spezialist für das komplette Bad. Das international tätige Schweizer Unternehmen mit eigener deutscher Niederlassung in Staudt produziert feinste Sanitärkeramik und vertreibt außerdem Badmöbel, Badewannen, Bad-Accessoires und Armaturen. Laufen beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter und verfügt über sechs Produktionsstätten in Europa.

Seit 120 Jahren wird in Laufen im Schweizer Kanton Baselland der älteste plastische Werkstoff der Menschheit zu Waschtischen, Bidets und Toiletten verarbeitet – in hochmodernen Anlagen und mit Schweizer Präzision. Aus der Keramikkompetenz hat sich das Know-how fürs komplette Bad entwickelt – das Laufen auf hohem Design-Niveau gestaltet. Die eigenständigen Bad-Konzepte von Laufen entstehen in Zusammenarbeit mit bekannten Designern und Architekten: zum Beispiel Stefano Giovannoni, Ludovica+Roberto Palomba, Toan Nguyen, Wiel Arets, Hartmut Esslinger, Phoenix Design, Process Design, Platinumdesign und anderen. Eine besondere Spezialität von Laufen ist es, dabei die Grenzen des Werkstoffes Keramik auszuloten und auch technisch anspruchsvolle Entwürfe umzusetzen – zum Beispiel beim keramischen, bodenstehenden Waschtisch Tam-Tam aus der Serie „ILBAGNOALESSI One“ oder beim äußerst flachen und kantigen, 160 Zentimeter breiten Waschtisch 01 aus der „Palomba Collection“. Dabei legt Laufen großen Wert auf eine umweltgerechte Produktion und geht auf allen Ebenen der Produktion sparsam mit Energie und Rohstoffen um – von der Entwicklung bis zum Marketing.

Kontakt
Roca GmbH, Vertrieb Laufen
Ester Caba Vela
Feincheswiese 17
56424 Staudt
+49 2602 949333
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Pressekontakt:
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