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In-Car-Payment: das Auto als mobile Geldbörse

ARAG Experte Jan Kemperdiek über das bequeme Zahlen direkt aus dem Fahrzeug

In-Car-Payment: das Auto als mobile Geldbörse

ARAG Experte Jan Kemperdiek über das In-Car-Payment

Vom Tanken bis hin zum Bezahlen von Park- oder Mautgebühren – das sogenannte „In-Car-Payment“ ermöglicht es, alltägliche Zahlungen kontaktlos und direkt im Fahrzeug über das Infotainmentsystem zu erledigen. Praktischer Trend oder futuristische Idee? Und wie funktioniert das genau? Welche Vorteile bietet diese Technologie? Gibt es Risiken? Antworten dazu liefert ARAG Experte Jan Kemperdiek, Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Wie stellt man sich In-Car-Payment in der Praxis vor?
Jan Kemperdiek: Ein besonders praktisches Beispiel für das In-Car-Payment, also das Bezahlen aus dem Auto heraus, ist das Tanken. Dabei ermöglicht die Anwendung Fahrern, den Tankvorgang direkt aus dem Auto heraus zu bezahlen. Nach dem Kraftstoffkauf muss der Fahrer nicht erst zur Kasse gehen, sondern kann direkt wieder einsteigen und die Bezahlung vom Fahrersitz aus regeln.

Wie genau funktioniert das Bezahlen aus dem Auto heraus?
Jan Kemperdiek: Dieses System funktioniert durch eine integrierte, fest verbaute SIM-Karte im Fahrzeug, die den Standort des Fahrzeugs erfasst. Die Daten werden über eine Mobilfunkverbindung ausgetauscht. Anhand dieser Daten erkennt in unserem Beispiel das Tankstellen-System automatisch, an welcher Tankstelle getankt wird. Die Zapfsäule muss aber in der Regel noch zusätzlich eingegeben werden; dazu ist die Standorterfassung oft zu ungenau. Die Bezahlung erfolgt über das hinterlegte Zahlungsmittel. Das kann je nach Anbieter eine Kreditkarte oder ein PayPal-Konto sein.

Kann man In-Car-Payment auch für Mautgebühreneinsetzen?
Jan Kemperdiek: Ja natürlich. Es eignet sich vor allem für Reisen in europäische Nachbarländer wie beispielsweise Frankreich, Italien oder Spanien, wo Autofahrer eine Gebühr für die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen zahlen müssen. In-Car-Payment ermöglicht es, diese Gebühren direkt aus dem Fahrzeug heraus zu begleichen, ohne dass der Fahrer an der Mautstation anhalten oder ein zusätzliches Gerät verwenden muss. Dabei wird der Standort des Fahrzeugs in Echtzeit verfolgt und die Mautgebühr direkt vom hinterlegten Konto abgebucht.

Auch Parkgebühren lassen sich übrigens auf diese Weise einfach und bequem bezahlen. Fahrzeuge mit integrierter SIM-Karte können automatisch den Standort des Fahrzeugs erkennen und die entsprechenden Parktarife abrufen. Der Fahrer muss lediglich bestätigen, dass er den Parkvorgang starten möchte. Die Zahlung wird dann direkt abgebucht, sobald das Fahrzeug den Parkplatz wieder verlässt.

Was hat es mit den „Functions on Demand“ auf sich, die oft im Zusammenhang mit dem In-Car-Payment genannt werden?
Jan Kemperdiek: Neben alltäglichen Zahlungen können Fahrzeughalter durch In-Car-Payment auch nachträglich zusätzliche, bereits verbaute Funktionen im Fahrzeug freischalten. Mit dem Feature „Functions on Demand“ können bestimmte Extras wie beispielsweise Sitzheizung, Fernlicht-Assistenten oder erweiterte Navigationsdienste direkt über das Fahrzeugmenü aktiviert werden. Manchmal ist das sogar als Mietvariante nur über einen gewissen Zeitraum möglich. Die dafür notwendigen Zahlungen erfolgen ebenfalls direkt aus dem Fahrzeug heraus.

Darüber hinaus eröffnet diese Funktion sowohl Neuwagenkäufern als auch Besitzern von Gebrauchtwagen neue Möglichkeiten, ihre Fahrzeuge aufzuwerten. Und zwar ohne teures Nachrüsten oder zusätzliche Werkstattbesuche. Auch für Autobauer kann das nachträgliche „Online-Pimpen“ durchaus kostensparend sein, weil jedes Auto einheitlich ausgestattet ist und eine unter Umständen kostenintensive Variantenvielfalt wegfällt.

Wie ist es um die Sicherheit der In-Car-Payment-Systeme bestellt?
Jan Kemperdiek: Natürlich kann eine ständige Mobilfunkanbindung Hacker auf den Plan rufen. Da es hier um sensible persönliche und finanzielle Daten geht, muss gewährleistet sein, dass die Elektronik im Auto vor Manipulation sicher ist. Für Schutz beim Bezahlen sorgt – meist über das Smartphone des Fahrers – eine Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Wenn man sich nachträglich Extras kauft, sollten eventuelle Updates für diese Funktionen für die restliche Laufzeit des Fahrzeugs geliefert werden. Und wer sein Fahrzeug vor einem Verkauf mit zusätzlichen Funktionen über In-Car-Payment aufhübscht, sollte darauf achten, dass alle Verbindungen zu hinterlegten Zahlungsmitteln und Berechtigungen wieder getrennt sind, wenn das Auto seinen Besitzer wechselt.

Weitere interessante Informationen unter:
https://www.arag.de/rechtsschutzversicherung/verkehrsrechtsschutz/verkehrsrecht-ratgeber/

Sie wollen mehr von den ARAG Experten lesen oder hören? Schauen Sie hier:
https://www.arag.com/de/newsroom/

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