Infektionsschutz in einem dynamischen Umfeld gewährleisten

Flughafen Frankfurt erhält das Qualitätssiegel „Sicher gegen Corona“

Infektionsschutz in einem dynamischen Umfeld gewährleisten

Um Sitzplätze abzusperren, ließ Fraport von den Sitzherstellern einen Spanngurt entwickeln. (Bildquelle: Fraport)

Corona stellte die Luftfahrt mit einer hochdynamischen Entwicklung vor große Herausforderungen: An Flughäfen trifft eine Vielzahl von Menschen aus verschiedensten Teilen der Welt auf engstem Raum aufeinander – Sicherheitsabstand lässt sich in den festgelegten Abläufen nicht immer einhalten. Die Betreibergesellschaft von Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt, Fraport AG, hat daher schnell auf die sich wechselnden Anforderungen reagiert. Das TÜV Hessen Qualitätssiegel „Sicher gegen Corona“ bestätigt nun, dass die Erfordernisse des Infektionsschutzes umgesetzt werden.

Die Terminals eines Flughafens sind Schmelztiegel, in denen sich unzählige Menschen unterschiedlichster Nationalität und Kulturkreise auf engstem Raum treffen und wieder auseinander gehen. Das Drehkreuz Frankfurt Airport, den größten Flughafen Deutschlands, nutzen pro Tag normalerweise bis zu 240.000 Passagiere- eine kleinere Großstadt bewegt sich täglich durch die Anlagen. Infektionsschutz stellt hier eine bedeutende Herausforderung dar, denn räumliche Nähe, Kontakt und Interaktion lassen sich nicht immer vermeiden: Die Einhaltung von Mindestabständen und die Automatisierung sind am Flughafen aufgrund der dortigen Notwendigkeiten wie Sicherheitskontrollen oder begrenztem Platzangebot im Flugzeug nicht immer möglich. Hinzu kommt die Vielzahl unterschiedlichster Beteiligter und Systempartner von Fluggesellschaften, Zoll, Bundespolizei und Geschäften.

„Der Luftverkehr ist in seinem Wesen bereits seit jeher anfällig für Krisen; die Vorbereitungen auf Krisenfälle sind deswegen grundsätzlich weiter gediehen als in lokalen oder nationalen Branchen“, so Sascha König, Vice President Infrastructure Terminals am Flughafen Frankfurt. Bereits seit Jahren gibt es mit der internationalen Zivilluftfahrtbehörde abgestimmte Pandemiepläne; Pandemie-Beauftragte wurden nicht erstmals aufgrund von Corona eingesetzt. Mit Vogelgrippe, SARS, Schweinepest und dem Ausbruch eines Corona-Virus im arabischen Raum vor zwei Jahren liegen entsprechende Erfahrungswerte vor. In Frankfurt stehen unter anderem eine eigene Klinik und eigene Ärzte zur Verfügung. König ergänzt: „Allerdings hat das Ausmaß der globalen Corona-Krise 2020 eine neue Dimension mit dem völligen Zusammenbruch von Angebot und Nachfrage erreicht. Sie ist damit die größte Krise der Luftfahrt überhaupt.“

Infektionsschutz am Frankfurter Flughafen

Grundsätzlich gelten für Flughäfen alle nationalen Vorschriften und die jeweiligen Anordnungen der Länder, da Gesundheitsfragestellungen in deren Verantwortungsbereich fallen. Zwar gibt es eine Richtlinie des Bundesministeriums, etwa zur Testpflicht für Reiserückkehrer; diese wird von den Ländern aber unterschiedlich interpretiert.

Auch branchenspezifische Vorgaben wie die Empfehlungen der EASA, der europäischen Flugsicherheitsagentur, werden umgesetzt. „Das RKI und die Landesluftfahrtbehörden haben sich zum Beispiel gegen Temperaturmessungen entschieden, da diese kaum Rückschlüsse auf eine Ansteckung mit dem Virus zulassen“, erläutert König. Da es viele asymptomatische Patienten gibt, setzt man in Frankfurt deshalb auf Tests. Der Flughafen Frankfurt hat daher als der erste ein Testcenter auf freiwilliger Basis eingerichtet. Für die Rückkehrer aus Risikogebieten wurde ein zweites Center aufgestellt. Mehrere tausend Tests finden täglich statt und die Ergebnisse liegen innerhalb von 24 Stunden vor.

Der Flughafen Frankfurt wird von Fraport betrieben, ein börsennotiertes MDAX Unternehmen und international tätiger Konzern, der Flughäfen weltweit entwickelt und bewirtschaftet. Bei Infektionsschutzmaßnahmen setzt Fraport auf drei Säulen: optische und akustische Hinweise für Passagiere, den eigenen medizinischen Dienst sowie die Corona-Testzentren. Frankfurt war zudem der erste deutsche Flughafen mit Maskenpflicht.

Kommunikation zur Pandemie-Eindämmung

Vor Ort wurden im Zuge der Corona-Pandemie verschiedene Maßnahmen getroffen: Markierungen und Hinweisschilder informieren die Reisenden, aber auch Durchsagen und Kontrollen durch speziell hierfür eingesetztes Personal sorgen für eine optimale Wahrnehmung der Hygieneregeln.

„Wir setzen zudem stark auf frühzeitige Kommunikation und Information noch bevor die Passagiere am Flughafen ankommen“, sagt König. Das gelingt über Website und App, aber auch in Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften bei der Buchung und dem Online-Check-In. Hier können die Reisenden auf die Maßnahmen und den Ablauf vorbereitet und informiert werden. „Die Luftfahrt hat hier den Vorteil, dass es eine Routine an Vorbereitungen und Sicherheitskontrollen schon immer gegeben hat und die Akzeptanz dieser Maßnahmen entsprechend hoch ist“, so König weiter.

Ziel ist es, die durch Auflagen bereits stark belastete Reisekette der Passagiere nicht noch stärker zu stören, sondern die Maßnahmen minimal invasiv in den Prozess einzuflechten.

Ad hoc hoch skalierbare Lösungen entwickeln

Die Corona-Auflagen stellten durchaus eine Herausforderung dar, da ad hoc hoch skalierbare Lösungen entwickelt werden mussten. „Wir benötigten zum Beispiel 1.200 Spuckschutz-Scheiben, die es aber nicht von der Stange zu kaufen gab: Zum einen wegen der Vielzahl der unterschiedlichen Thekenarten am Flughafen, zum anderen, da sie aus Brandschutzgründen aus Acrylglas bestehen und innerhalb von zehn Tagen zur Verfügung stehen mussten,“ erinnert sich König.

Im Terminal 1 wurden außerdem 15.000 Sitzplätze für wartende Flughafengäste gesperrt, um die Abstandsregeln einzuhalten. Ein Abbau war wegen der Sitzblöcke nicht möglich, Aufkleber reichten als Maßnahme zudem nicht aus. Um also Sitzplätze abzusperren, ließ Fraport von den Sitzherstellern einen Spanngurt entwickeln, der die notwendige Stabilität gewährleistet und ebenfalls den Brandschutzvorgaben entspricht. Das brachte internationale Aufmerksamkeit: „Flughäfen in Rom und Toronto haben unser Modell mittlerweile bereits mit Erfolg adaptiert“, berichtet König.

Auch bei den Desinfektionsspendern musste eine groß dimensionierte Lösung gefunden werden: In Zusammenarbeit mit den Herstellern wurden Spender auf Basis von Zehn-Liter-Kanistern entwickelt. Fraport bezog die Rohstoffe direkt bei industriellen Herstellern und ließ die Mischungen von Industrieapothekern zusammenstellen, um über ausreichende Volumina zu verfügen.

Hygiene-Siegel: Ein Asset in der Kommunikation mit dem Endkunden

Die Entwicklung bleibt dynamisch und unterschiedlichste Maßnahmen werden national und international diskutiert. „Wir sind bestrebt, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln, neue Konzepte zu überprüfen und bei Bedarf zu adaptieren“, so König: Zum Beispiel ist die Reinigung und Desinfektion der Laufbänder und Fahrtreppen eine besondere Herausforderung – hier wird der Einsatz einer Desinfektion mittels UV-Licht geplant. Ein weiterer Schritt stellt die Konformitätsprüfung im Zusammenhang mit dem Qualitätssiegel „Sicher gegen Corona“ dar.

Eine neutrale Organisation sollte die Maßnahmen aus externem Blickwinkel beleuchten, Schwachstellen finden und Verbesserungspotenziale aufdecken. Fraport recherchierte Anbieter von Prüfsiegeln im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie und holte Angebote verschiedener Prüforganisationen ein. „Die zeitnahe Umsetzung der Prüfung und der Erkenntnisgewinn standen für uns im Fokus“, sagt König. Nach dem Erstkontakt fiel die Wahl auf das Angebot von TÜV Hessen.

Das Qualitätssiegel stellt für den Flughafen in der Passagierkommunikation nun ein wichtiges Asset dar. Zwar werben Flughäfen allgemein mit einer genauen Umsetzung der Schutz-Maßnahmen, doch eine Konformitätsbewertung durch einen Dritten im Rahmen einer Überprüfung gibt Reisenden ein höheres Sicherheits-Gefühl. Jede Terminal-Tür trägt in Frankfurt nun einen Siegel-Aufkleber, der den hohen Umsetzungs-Standard am Flughafen Frankfurt kommuniziert.

Hygiene-Prüfung durch Begehung und Einsichtnahme

Sonja Sieger, Auditorin und Hygienefachkraft im TÜV Hessen-Prüfteam „Sicher gegen Corona“, erklärt das Procedere: „In der Vorprüfung wurde das Vorhandensein der grundsätzlichen Voraussetzungen für die Ausstellung des Siegels abgeklärt: Dazu gehören ein Schutz- und Hygienekonzept, ein betriebliches Maßnahmenkonzept, eine geregelte Überwachung, eine Risikobewertung von Prozessen und Infrastruktur sowie in diesem Zusammenhang die Festlegung konkreter Ansprechpartner.“

Die Prüfung vor Ort basiert auf den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes, des RKI sowie landesspezifische Regelungen und EASA-Guidelines. „Im Rahmen der Prüfung erfolgte eine Begehung und Besichtigung entlang der Prozesskette, also der Wege der Passagiere inklusive relevanter Nebenschauplätze: Im Wartebereich wurden zum Beispiel die Toiletten mit ihren Desinfektionsspendern in Augenschein genommen“, fügt Sieger hinzu. Daneben nahm der TÜV Hessen Einsicht in Dokumente und Dokumentationen und führte Interviews mit Beschäftigten vor Ort, die für die Umsetzung der Schutzmaßnahmen zuständig sind. „Wir haben nicht nur die Anforderungen, die an das Personal und die Einrichtung gestellt wurden, geprüft, sondern auch deren Nachweis und ihre Umsetzung“, bilanziert Sieger.

Festgestellt wurden nur marginale Mängel wie bspw. eine von Fluggästen offen abgestellte Kaffeetasse im Waschraum. Systematische Fehler hingegen wurden nicht festgestellt. Allerdings hätte sich TÜV Hessen an vielen Schnittstellen zu Drittanbietern eine bessere Umsetzung gewünscht: „Das liegt aufgrund mangelnder Durchgriffsrechte jedoch außerhalb des Verantwortungsbereichs von Fraport“, so Sieger weiter.
Positiv fiel ins Auge, dass Fraport bemüht ist, nicht mit Verboten, sondern mit positiven Botschaften zu arbeiten. Die hellgrüne Farbe der Hinweisschilder unterstreicht den Appell-Charakter und fällt Fluggästen ins Auge. So entsteht beim Reisenden ein konstruktives Bewusstsein für die Situation und die Maßnahmen.

Fazit

Fraport setzt die Anforderungen des Infektionsschutzes von Bund, Ländern und Luftfahrtbehörden um. Das bestätigt nun auch das Hygiene-Siegel von TÜV Hessen. Dieses hat eine Gültigkeit von sechs Monaten. Da die Corona-Pandemie eine dynamische Situation darstellt, ist auch eine Rezertifizierung nach sechs Monaten im Gespräch.

Autorin: Nadja Müller, Journalistin für Wordfinder

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