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Interview mit AGRAVIS-Experten: Erntesituation bleibt angespannt

Interview mit AGRAVIS-Experten: Erntesituation bleibt angespannt

(Bildquelle: @ majo1122331 / Fotolia)

Die starken Regenfälle im Juli sorgten für deutliche Ernteverzögerungen. Die Sorgen nehmen zu und das anhaltend schlechte Wetter kann diese noch verstärken. Um Qualitätsverluste zu vermeiden bzw. so gering wie möglich zu halten, ist eine schnelle Fortsetzung der Ernte notwendig. Wie sich die derzeitige Situation darstellt, erläutert Alfred Reisewitz aus dem Bereich Agrarerzeugnisse der AGRAVIS Raiffeisen AG.

Wie ist die aktuelle Erntesituation?
Reisewitz: Die Situation ist schwierig. Das unbeständige und teilweise regnerische Wetter lässt die Getreideernte nur schleppend vorankommen. Dort, wo die Böden befahrbar sind, versuchen die Landwirte, in den Regenpausen bzw. in den wenigen Stunden ohne Niederschlag die Maximalleistung ihrer Druschkapazitäten auf die Äcker zu bringen. Zurzeit wird quasi alles an Feldfrüchten parallel gedroschen: Roggen und Weizen, Sommergerste und Raps, Triticale, Leguminosen und Hafer. Die regionalen Verhältnisse sind sehr unterschiedlich, sodass es schwierig ist, einen einheitlichen Erntestand für die AGRAVIS-Regionen anzugeben. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass die Situation sehr angespannt ist und unter den Landwirten niemand mehr wartet, bis die Bestände abtrocknen. Es wird versucht, so viel wie möglich auch bei höheren Kornfeuchten zu ernten, um weitere Qualitäts- und Mengenverluste zu vermeiden.

Was wurde bisher geerntet und wie ist die Qualität der einzelnen Sorten?
Reisewitz: Generell kann man sagen, dass in Nord- und Nordostdeutschland ca. 50 bis 70 Prozent des Rapses mittlerweile gedroschen sind, regional teilweise auch etwas mehr. Allerdings sind die Erträge bis auf wenige Ausnahmen bisher enttäuschend und sollen etwa 15 bis 25 Prozent unter dem langjährigen Schnitt liegen. Das zurzeit größte Problem ist der Auswuchs, der faktisch in allen Regionen mit Werten von 5 bis über 20 Prozent auftritt. Hieraus können sich noch erhebliche qualitative Risiken entwickeln, weil im Laufe von Wochen und Monaten die FFA-Werte – ein wichtiges Kriterium für die Ölmühlen – ansteigen können.
Bei Roggen und Weizen ist der Erntefortschritt deutlich zurück. Je nach Gebiet sind bisher zwischen 10 und 40 Prozent gedroschen worden. Aussagen zu den Erträgen reichen von knapp durchschnittlich bis zu minus 10 Prozent gegenüber den langjährigen Mittelwerten. Die bisher geernteten Qualitäten variieren sehr stark. Von gut durchschnittlich bis zur Futterqualität ist alles dabei. Die Fallzahlen schwanken teilweise stark bzw. fallen deutlich und auch beim Proteingehalt im Weizen gibt es eine weite Streuung und regional den Trend zu niedrigerem Protein.
Ein generelles Problem scheinen die Hektolitergewichte zu sein, die als deutlich niedriger als in den Vorjahren beschrieben bzw. festgestellt werden. Auch soll sich regionaler Befall mit Fusarien eingestellt haben, desgleichen wird von Auswuchs im Weizen berichtet. In vielen Gebieten haben die Landwirte mittlerweile auch mit Lager im Getreide zu kämpfen, sodass die Druschleistung dort gemindert ist und sich sowohl Mengen- als auch Qualitätsverluste abzeichnen.
Bei der Sommergerste – insbesondere der Sommerbraugerste – wurden bisher ca. 30 Prozent geerntet, in einzelnen Regionen auch schon 40 Prozent. Während hier die bisher angelieferten Qualitäten noch als gut durchschnittlich zu bezeichnen sind, ist bei der Braugerste eine gewisse Enttäuschung hinsichtlich der Hektarerträge festzustellen. Diese liegen ca. 10 bis 15 Prozent unter den mehrjährigen Durchschnittswerten. Zu beobachten ist, dass ähnlich wie im Weizen die Proteinwerte in diesem Jahr extrem schwanken und teilweise zwischen 8,5 und über 13 Prozent liegen. Damit sind einzelne Braugerstenpartien a priori außerhalb der Anforderungskriterien der Malz- und Brauindustrie. Die größten Sorgen bereiten im Moment Kornverfärbungen, die möglicherweise Qualitätsrisiken für die Brauereien indizieren. Hier muss man den weiteren Erntefortschritt und entsprechende Untersuchungen abwarten, bevor eine endgültige Aussage getroffen werden kann.

Lässt sich eine Aussage für die nächsten Tage und Wochen treffen?
Reisewitz: Sollte sich die unbeständige Witterung in unseren Regionen in dieser und in der nächsten Woche fortsetzen, dürften die Qualitätsrisiken vor allem bei Brot- und Braugetreide signifikant ansteigen und das Mengenangebot für die Mühlen- und Malzindustrie spürbar verkleinern. Wenn die alte Bauernregel vom Siebenschläfertag in diesem Jahr zutrifft, dann haben wir noch bis zum 15. oder 20. August mit dieser Situation zu kämpfen. Die Anspannung bleibt also bis auf Weiteres bestehen.

Weitere Informationen rund um die Ernte 2017

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist ein modernes Agrarhandelsunternehmen in den Geschäftsfeldern Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau und Agrartechnik. Sie agiert zudem in den Bereichen Energie, Bauservice und Raiffeisen-Märkte.

Die AGRAVIS Raiffeisen AG erwirtschaftet mit mehr als 6.000 Mitarbeitern über 6 Mrd. Euro Umsatz und ist als ein führendes Unternehmen der Branche mit mehr als 400 Standorten überwiegend in Deutschland tätig. Internationale Aktivitäten bestehen über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in mehr als 20 Ländern und Exportaktivitäten in mehr als 100 Ländern weltweit. Unternehmenssitze sind Hannover und Münster.

Kontakt
AGRAVIS Raiffeisen AG
Bernd Homann
Industrieweg 110
48155 Münster
0251/682-2050
bernd.homann@agravis.de
http://www.agravis.de

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