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Klischee „Rabenmütter“ – ein deutsches Phänomen?

Kind und Karriere

Klischee

txn.

txn. Ob in Skandinavien, Frankreich oder England: Berufstätige Frauen mit Kindern gehören bei unseren europäischen Nachbarn ins gesellschaftliche Bild und sie bekommen Anerkennung für das, was sie leisten. Dort kehren die meisten Mütter bald nach der Geburt in ihren Beruf zurück. Wer es wünscht, kann sein Kind ab einem gewissen Alter außerhalb des Elternhauses betreuen lassen, da es genügend ganztägige Betreuungsplätze gibt. Anders in Deutschland: Hier werden nach wie vor viele Kleinkinder in dem Bewusstsein groß, dass die Mutter zu Hause ist, während der Vater das Geld verdient.

Wer Kinder hat und einem Beruf nachgeht, sitzt oft zwischen allen Stühlen. Aber warum scheint das für deutsche Frauen besonders unangenehm zu sein? Warum arbeiten z.B. viele Französinnen mehr und haben im Durchschnitt zudem mehr Kinder als Frauen in Deutschland? Gewiss, die französischen Einrichtungen zur Kinderbetreuung sind seit den siebziger Jahren auf arbeitende Mütter ausgerichtet, aber das allein reicht als Begründung nicht aus. Denn anders als in Frankreich gibt es in Deutschland ein großes Misstrauen gegen die Versorgung der Kinder außerhalb des eigenen Hauses und viele glauben, dass ein Kind unter drei Jahren ständig bei der Mutter sein sollte. Wer dennoch arbeitet, gilt schnell als „Rabenmutter“.

„Wir brauchen einen Mentalitätswechsel und eine bessere gesellschaftliche Akzeptanz von berufstätigen Müttern. Hierfür müssen die Rahmenbedingungen für Familien verbessert und eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik umgesetzt werden“, stellt Petra Timm, Unternehmenssprecherin von Randstad fest. „Wir sehen in anderen nordeuropäischen Ländern, dass eine seit Jahrzehnten betriebene Familienpolitik, die gleichermaßen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Gleichstellung der Geschlechter zielt, einerseits zu mehr Beschäftigung von Frauen und andererseits zu höheren Geburtenraten führt“, so Timm weiter.

Wie groß die Herausforderung für berufstätige Frauen wirklich ist, Karriere und Familie miteinander zu vereinbaren, machen die Antworten in einer Befragung des weltweit größten Business-Netzwerks LinkedIn anlässlich des Internationalen Frauentags im März 2014 klar: Über 80 Prozent wünschen sich von ihren Arbeitgebern flexiblere Arbeitsbedingungen, die eine bessere Balance von Job und Privatleben ermöglichen. Gesetzliche Rahmenbedingungen, die berufstätige Mütter und Väter unterstützen, sehen 24 Prozent als zentralen Punkt an.

Doch warum wird die Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren, meist nur an die Mutter adressiert? Warum gibt es eigentlich keine Rabenväter, haben doch australische Wissenschaftler herausgefunden, dass Jungen, deren Väter kaum Zeit mit ihnen verbringen, häufiger verhaltensauffällig werden?
„Die Frage, wie Mütter und Väter gemeinsam den Spagat zwischen Familie und Beruf hinkriegen, wird auch zukünftig individuell beantwortet werden müssen. Jedoch sollte sich keine Frau mehr entschuldigen, wenn sie Kinder hat und arbeiten geht“, sagt Petra Timm.

[Bildunterschrift]
txn. Mütter, die nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten gehen, müssen sich nach wie vor rechtfertigen. Damit die Balance zwischen Job und Privatleben besser gelingt, wünschen sich über 80 Prozent der berufstätigen Frauen in Deutschland flexiblere Arbeitsbedingungen.

Bildrechte: Randstad/fotolia Bildquelle:Randstad/fotolia

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