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Kopfschlächter: Buchauszug zum Thema „Pferdefleisch“

Kapitel 2 – Avaritia: Von Pferden und Hunden

„Alma, machst Du mir bitte eine Gulaschsuppe, ich habe Hunger und mir ist kalt.“ Die Gulaschsuppe hier ist die beste, die ich kenne. Eine gute, ehrliche Suppe aus Pferdegulasch. Sämig, mit viel Fleisch, gewürzt mit Lorbeer und Wacholder. Abgerundet mit Sahne und einer leichten Rotweinnote.

Im Rheinland ist die Abneigung gegen Pferdefleisch traditionell gering. Ich weiß nicht, ob es am französischen oder am römischen Einfluss liegt, oder daran, dass sich bestimmte Gerichte einfach über die Jahrhunderte gehalten haben. Ein echter „Rheinischer Sauerbraten“ wird nun mal aus echtem Pferdefleisch zubereitet und nicht aus Rind, so wie ihn die dämlichen Zugereisten mögen, diese Immis.

Ich hab noch nie ein Pferd geschlachtet. Nicht, dass ich es nicht wollte; es ergab sich einfach nicht. Ich vermisse es auch nicht wirklich, werden die edlen Rösser doch wie stinknormale Rinder hingerichtet: Erst der Bolzenschuss, dann der Halsstich mit dem Hohlmesser. Das einzige, was mich reizen könnte, wäre die Schlachtung auf spanische Art: Mit einer Axt der gezielte Hieb auf den Kopf – locker aus dem Handgelenk genau zwischen die Augen.

Die Pferdeschlachtung hat in Deutschland ihre eigene Geschichte. Bis 1992 schrieb die Schlachtordnung vor, dass Pferde getrennt von anderen Tieren wie Rindern oder Schweinen zu schlachten seien. Den genauen Grund konnte mir bisher keiner sagen. Ich denke, es liegt daran, dass Pferde dem Menschen emotional näher sind, eher wie Hunde; nicht so wie all das andere Schlachtvieh.

Nicht umsonst vergöttern kleine Mädchen die starken Tiere. Groß und mächtig, mit einer breiten Schulter zum Anlehnen. Immer da, wenn man einen Freund braucht.

Stark, nicht nur vom Körper, sondern auch vom Gemächt. Und doch willig, sich in eine schmale Box – ausgefüllt mit Stroh, bei Wasser und Heu – einsperren zu lassen, wenn man der starken Schulter nicht bedarf. Welch ein weiblicher Irrglaube, als ob sich ein so stolzes Alpha-Tier einsperren ließe.

Für Männer ist das edle Ross natürlich die willkommene Schwanzverlängerung. Ein echter Mann reitet einen Hengst – niemals einen Wallach.

Die historischen Gründe gegen die Pferdeschlachtung sind vielfältig und gehen wohl auf den Kampf zwischen Christen und Heiden zurück. Pferde wurden bei den Heiden den Göttern geopfert, während Pferde weder bei den Christen noch bei den Juden zum Verzehr bestimmt waren. Rituale zu verbieten, heißt Macht über den Gegner zu erlangen. Und wer die Macht hat, kann die Unterlegenen nicht nur ausbeuten – er kann auch ihre Kultur auslöschen.

Zudem waren Rösser bis in die Neuzeit hinein Kriegsgüter. Ein Pferd im Mittelalter ist wie ein Panzer im zweiten Weltkrieg. Hoch zu Ross wurden die niedrigen, feindlichen Soldaten mit scharfen Schwertern geköpft. Rösser, die auf dem Schlachtfeld starben, dienten den Überlebenden zudem als letzte eiweißhaltige Nahrung, wollte man sich nicht an seinen gefallenen Kameraden vergreifen.

Während das menschliche Fleisch in wenigen Tagen verwest, hält sich Pferdefleisch über Wochen. Es reift sogar noch und gewinnt an Aroma und Geschmack, bis hin zum Hautgout.

Bis ins zwanzigste Jahrhundert war der Pferdeschlachter oftmals gleichzeitig der Abdecker oder gar der Henker. Pferdeschlachter gelten auch heute noch als Metzger zweiter Klasse. Ich kenne flüchtig nur den einen, der auf dem hiesigen Wochenmarkt Pferdefleisch feil bietet. Er wirkt auf mich linkisch und ärmlich. Ein Mann, der am Rande der Gesellschaft steht und die Geschichte drückend auf seinen Schultern spürt.

Kopfschlächter – Der Rausch der sieben Todsünden

Eine Erzählung: 10 % Rinderblut. 90 % Druckerschwärze. 100 % Hart.

Kontakt:
Kopfschlächter
Tristan vom Wahn
info@kopfschlaechter.de
50937 Köln
0221 – 47 168 78
info@kopfschlaechter.de
http://www.kopfschlaechter.de

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