Überraschendes Potenzial eines alten Heilmittels
Lindenberg, 14. Oktober 2026. Der Pflanzenstoff Cnicin aus dem Benediktenkraut beschleunigt das Wachstum von Nervenfasern und könnte künftig dabei helfen, geschädigte Nerven schneller zu reparieren. Ergebnisse aus Untersuchungen sind vielversprechend.
Was seit Jahrhunderten als Heilpflanze bekannt ist, könnte der modernen Medizin eine völlig neue Perspektive eröffnen: Forschende des Zentrums für Pharmakologie der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln haben einen Wirkstoff aus dem Benediktenkraut als möglichen Ansatz für die Regeneration geschädigter Nerven identifiziert.
Im Mittelpunkt steht Cnicin, ein natürlicher Pflanzenstoff aus Cnicus benedictus. Das Forschungsteam untersuchte, ob Cnicin die Regeneration von Axonen fördern kann. Axone sind lange Fortsätze von Nervenzellen, über die elektrische Signale weitergeleitet werden.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Cnicin beschleunigte das Wachstum von Axonen deutlich. Die Forschenden konnten diesen Effekt sowohl im Tiermodell als auch an menschlichen Nervenzellen nachweisen.
Wenn jeder Tag zählt
Verletzte Nerven stehen vor einer besonderen Herausforderung: Je länger die Nervenfasern sind, desto größer ist die Strecke, die sie nach einer Schädigung zurücklegen müssen. Gerade bei Menschen können lange Regenerationswege dazu führen, dass Nervenfasern ihr ursprüngliches Ziel zu spät oder gar nicht mehr erreichen. Die Folge können dauerhafte Einschränkungen sein.
Eine schnellere Regeneration könnte deshalb entscheidend sein. Die Kölner Forschenden konnten im Tiermodell zeigen, dass nach einer Nervenschädigung durch die tägliche Gabe von Cnicin Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle deutlich schneller überwanden.
Auch menschliche Nervenzellen reagierten auf den Pflanzenstoff: Für die Untersuchungen nutzte das Team Nervenzellen, die aus gespendeten menschlichen Netzhäuten gewonnen worden waren. Auch hier zeigte sich eine beschleunigte axonale Regeneration.
Ein Wirkstoff mit besonderem Vorteil
Für die weitere Entwicklung könnte eine Eigenschaft von Cnicin besonders interessant sein: Der Pflanzenstoff gelangt nach einer Einnahme über den Mund ins Blut. Eine Injektion ist damit grundsätzlich nicht erforderlich.
Doch gerade bei einem möglichen künftigen Einsatz am Menschen kommt es offenbar auf die richtige Menge an. Zu niedrige oder zu hohe Dosen sind unwirksam. Daher müssen weiterführende klinische Studien am Menschen durchgeführt werden.
Vom traditionellen Heilmittel zum modernen Forschungsansatz
Benediktenkraut wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze genutzt und unter anderem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Dass ein Inhaltsstoff der Pflanze möglicherweise auch die Reparatur des Nervensystems beeinflussen kann, eröffnet nun ein überraschend neues Forschungsfeld.
Noch ist offen, ob sich die im Labor beobachteten Effekte auch beim Menschen bestätigen lassen. Sollte dies gelingen, könnte Cnicin langfristig zu einem neuen Baustein bei der Behandlung von Nervenschädigungen werden.
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Buchdaten: Michael Petersen, Reaktion mediportal-online.eu, Medizin & Gesundheit: Hilft das überhaupt?, ISBN 978-3-384-60436-1, Info-Seite zum Buch beim Verlag (https://shop.tredition.com/booktitle/Medizin__Gesundheit_Hilft_das_%3fberhaupt/W-128-121-334).
Eine Buchbeschreibung findet sich im Bücher-Blog (https://www.gesundheit-ratgeber-buecher.de/hilft-das-ueberhaupt/).
Quelle der Studie:
Neuer Wirkstoff aus Benediktenkraut fördert Nervenreparatur, Universität zu Köln, Informationsdienst Wissenschaft (idw) (https://idw-online.de/de/news832300)
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