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Schnäppchenjagd statt Qualitätsbewusstsein

Risikofaktor für die deutsche Wirtschaft

Schnäppchenjagd statt Qualitätsbewusstsein

Foto: Fotolia

sup.- „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.“ Dieses Statement, das scheinbar auf die grassierende Geiz-ist-Geil-Mentalität abzielt, stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es wird dem britischen Sozialphilosophen John Ruskin (1819 – 1900) zugeschrieben, der auch in Zeiten der Industrialisierung den Wert handwerklicher Tätigkeit betonen wollte. Mit seinem Plädoyer für mehr Qualitätsbewusstsein bei den Verbrauchern äußerte er sich schon damals zu einem Thema, das heute aktueller denn je ist. Bei einer Bewertung geschäftlicher Risiken sieht die deutsche Wirtschaft vor allem eine „abnehmende Zahlungsbereitschaft der Kunden für Qualität“ als ernsthafte Gefahr. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Qualität e. V. (DGQ) unter deutschen Unternehmen. Mit 73 Prozent der Nennungen belegt der Trend zum Billig-Shoppen den Spitzenplatz unter allen Risikofaktoren.

„Diese Entwicklung bringt den Qualitätsstandort Deutschland in Gefahr“, warnt Udo Hansen, Präsident der DGQ: „Wir müssen Verbraucher und Geschäftskunden befähigen, Qualität zu erkennen und wertzuschätzen.“ Angesichts der Tatsache, dass die schnelle Recherche im Internet immer öfter die Beratung im Fachhandel ersetzt, ist das ein wichtiges, aber äußerst anspruchsvolles Ziel. Leider wird das Qualitätsbewusstsein der Kunden inzwischen nicht nur von unzähligen Discount-Angeboten auf Online-Portalen torpediert, sondern noch massiver vom Bundeskartellamt. Denn diese Behörde drängt die Hersteller zunehmend zu einem Warenangebot, das sich ausschließlich am jeweils niedrigsten Preisniveau orientiert. Sobald z. B. hochwertige Zutaten und Fertigungsprozesse, strenge Qualitätskontrollen oder ein umfassender Kundenservice bei den renommierten Markenherstellern zu einer anderen Preisgestaltung führen, vermuten die Wettbewerbshüter Absprachen und leiten Ermittlungen sowie Sanktionen ein.

Dabei hat ein angemessener Produktpreis, der über alle Varianten des Handels durchgesetzt werden kann, gerade für den Fachhandel eine existenziell bedeutsame Schutzfunktion. „Er verhindert beispielsweise, dass Kunden sich bei einem Fachhändler beraten lassen, um danach das Produkt in einer anderen Form des Handels zu einem deutlich geringeren Preis zu kaufen“, sagt der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel, Autor des Fachbuchs „Wirtschaft im Würgegriff / Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert“ (Campus Verlag, ISBN 978-3-593-50150-5). Er sieht den Handel in Deutschland auf dem Weg zu einem reinen Billig-Sortiment ohne Chance auf Markenqualität, weil die Kartellamts-Aktivitäten eine echte Wahlfreiheit der Verbraucher zwischen verschiedenen Preissegmenten zunehmend verhindern. Und dass das Einkaufen in solch einem „Discountry“ keinesfalls die preiswerteste Lösung ist, wusste schon John Ruskin: „Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“

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